ARCHIV FÜR November 2020

Mo. 30.11.2020 / 20:00

ABGESAGT! TENET

Ein langerwarteter Science-Fiction-Action-Spionage-Film des britisch-US-amerikanischen Regisseurs Christopher Nolan.

© 2020 Warner Bros. Pictures Germany

TENET (dt. etwa Grundsatz bzw. Glaubenssatz) = so, das wäre doch schon mal geklärt… Der Film folgt dem Erlebnis des namenlosen Protagonisten, einem Geheimdienstmitarbeiter. Er und andere Kämpfer werden mit sich aus verschiedenen Zeitebenen überlagerten Realitäten konfrontiert. Bereits in der Eröffnungsszene wird ein mutmaßlicher Anschlag auf ein Opernhaus in der Ukraine gezeigt. Eine Gewehrkugel fliegt rückwärts aus dem Objekt heraus, statt einzuschlagen. Munition und andere Gegenstände werden als „invertiert“ bezeichnet, sie sind mit einer „umgekehrten Zeit“ aufgeladen. Im Verlauf des Films zeigt sich, dass Personen und Objekte tatsächlich gegen die Zeit laufen können. Ein russischer Oligarch nutzt diese Eigenschaft. Der Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger dazu: „Es ist tatsächlich so, dass diese momentane Gleichzeitigkeit des diese momentane Gleichzeitigkeit des sich vorwärts und rückwärts in der Zeit des Bewegens eine wichtige Rolle spielt“. Sven Hauburg schreibt für die Teleschau: „Zwar sei es nicht immer leicht, die komplexe Handlung des Films zu verstehen. Man sieht dennoch einen verdammt großartigen Film.“ Lars -Olav Beier schließt seine Rezession im SPIEGEL mit: „So cool hat ein überlebensgroßer Held auf der Leinwand selten gewirkt“.

So. 29.11.2020 / 20:00

ABGESAGT! SCHWARZE MILCH

Eine ereignisreiche Rückkehr aus Deutschland zur Familie ins Nomadenleben in der mongolischen Steppe.

© 2020 Alpenrepublik GmbH Filmverleih

Die Tür der Jurte (Zelt-Haus) muss immer offen bleiben, so will es die mongolische Tradition. Für die Nomadin Ossi ist das ganz klar, denn sonst kommt das Böse nach Hause. Ihre Schwester Wessi jedoch sieht in der offenen Türe eine Gefahr, eine Einladung zum Überfall, hier so ganz allein in der Wüste. Diese gegensätzlichen Perspektiven bestimmen die gesamte Beziehung der beiden Frauen. Wessi zog als Kind in den Westen und wuchs in Deutschland auf. Ossi blieb mit dem Stiefvater in der Mongolei. Nach Jahren kehrt Wessi zurück an den Ort ihrer Kindheit und trifft mit ihrer westlich geprägten Weltsicht auf das traditionsreiche Nomadenleben ihrer Schwester.

Die junge Regisseurin Uisenma Borchu ist eine der großen Hoffnungen des deutschen Films. Am Sonntag, 29.11.20 wird sie uns um17:00 Uhr und 20:00 Uhr ihre Spielfilme “Schau mich nicht so an“ und “Schwarze Milch“ vorstellen, für die sie den Bayerischen Filmpreis und weitere internationale Preise erhielt. 2017 lief ihr Theaterstück “Nachts als die Sonne für mich schien“ an den Münchener Kammerspielen. Uisenma Borchu kam 1984 in der Mongolei zur Welt und zog 5 Jahre später mit ihren Eltern nach Deutschland. Nach dem Abitur studierte sie bis 2015 an der Hochschule und Fernsehen in München und erhielt für ihre frühen Dokumentarfilme bereits beachtliche Förderpreise. Wir freuen uns sehr auf ihren Besuch bei uns.

So. 29.11.2020 / 17:00

ABGESAGT! SCHAU MICH NICHT SO AN

Überwältigender, die Geschlechterrollen provokant in Frage stellender Film über einen Machtkampf zwischen zwei Frauen.

© 2016 Zorro Film GmbH

Bei der Suche nach der 5-jährigen Sofia lernt die alleinerziehende Mutter Iva ihre selbstsüchtige Nachbarin Hedi kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich schnell eine lustvolle erotische Beziehung. Nach längerer Zeit kehrt Ivas Vater zurück und versucht, die vernachlässigte Beziehung zu Tochter und Enkelin wieder aufzubauen. Er und Hedi kommen sich dabei gefährlich nahe und die Situation eskaliert, als sie eine Affäre anfangen.

Die junge Regisseurin Uisenma Borchu ist eine der großen Hoffnungen des deutschen Films. Am Sonntag, 29.11.20 wird sie uns um17:00 Uhr und 20:00 Uhr ihre Spielfilme “Schau mich nicht so an“ und “Schwarze Milch“ vorstellen, für die sie den Bayerischen Filmpreis und weitere internationale Preise erhielt. 2017 lief ihr Theaterstück “Nachts als die Sonne für mich schien“ an den Münchener Kammerspielen. Uisenma Borchu kam 1984 in der Mongolei zur Welt und zog 5 Jahre später mit ihren Eltern nach Deutschland. Nach dem Abitur studierte sie bis 2015 an der Hochschule und Fernsehen in München und erhielt für ihre frühen Dokumentarfilme bereits beachtliche Förderpreise. Wir freuen uns sehr auf ihren Besuch bei uns.

So. 29.11.2020 / 11:00

ABGESAGT! That Pärt Feeling – Das Universum von Arvo Pärt OmU engl.

Was macht die Faszination für die Werke des estnischen Komponisten aus?

© 2020 Film Kino Text

Diese Frage versucht Paul Hegeman in seiner Dokumentation zu beantworten, die dezidiert keine klassische Biographie ist, sondern sein Subjekt umkreist und sich ihm behutsam annähert. Er ist einer der meistaufgeführten Komponisten weltweit. Und dennoch tritt er nur selten in der Öffentlichkeit in Erscheinung, schweigt am liebsten zu seiner Musik, fühlt sich in den Wäldern Estlands zu Hause und erzeugt damit unfreiwillig das Image eines Einsiedlers. Arvo Pärt wurde 1935 in einer estnischen Kleinstadt geboren. Früh begann er, sich für Musik zu interessieren, studierte, arbeitete als Tontechniker begann zu komponieren, beeinflusst von Schostakovich, Bartók, später auch Schönberg. Anfang der 80er Jahre wurde Pärt zur Emigration gezwungen, ließ sich in Wien nieder (inzwischen besitzt er die österreichische Staatsbürgerschaft), lebte lange Jahre in Berlin und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten, einflussreichsten Komponisten neuer Musik. Wie schwer es ist, zu beschreiben, wie ein abstrakter Gegenstand wie Musik funktioniert, welche Emotionen sie auslöst, mag auch erklären, warum Arvo Pärt kaum das Wort ergreift. Statt das kaum mögliche zu versuchen und in Worte zu fassen, was Pärt durch seine Musik sagt, beobachtet Hegeman den Komponisten mal bei einem Cello-Oktett in Amsterdam, mal mit jungen Gesangstudenten. Als unprätentiöser Mann erweist sich Pärt hier, der sich augenscheinlich wenig aus Ruhm und Wohlstand macht, sondern ganz in seiner Arbeit aufgeht. Die Dokumentation “Das Arvo Pärt Gefühl“ ist der gelungene und unbedingt sehenswerte Versuch einer Annäherung an ein einzigartiges Werk.

Mo. 23.11.2020 / 20:00

ABGESAGT! PERSISCHSTUNDEN

Die Geschichte zweier Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

© 2020 Alamode Film

Sie sind Opfer und Täter, Jude und Nazi, Häftling und Hauptsturmbandführer. Trotzdem sprechen sie eine Sprache, die außer ihnen niemand versteht. Während des Zweiten Weltkriegs, 1942: Gilles, der Sohn eines Rabiners, der eigentlich in die Schweiz fliehen wollte, wird von SS-Soldaten zusammen mit anderen Juden verhaftet. Er entkommt einer Hinrichtung nur knapp, weil er schwört, kein Jude zu sein, sondern Perser. Diese Lüge rettet ihm das Leben, denn Hauptsturmführer Koch, der in einem Durchgangslager die Verpflegung der SS-Leute und der Gefangenen organisiert, sucht dringend jemanden der Farsi spricht, denn er möchte nach dem Krieg in Teheran ein Restaurant eröffnen. Also bringt ihm Gilles, der sich fortan lieber Reza nennt, Farsi bei. Kein echtes Farsi natürlich (das kann er ja selbst nicht) sondern ein Fake – Farsi. „Persischstunden“ ist kein Holocaust-Drama, sondern ein raffiniert konstruierter Film über eine Beziehung, in der das Opfer Lehrer ist und der Täter Schüler. Lars Eidinger und der Argentinier Nahuel Pérez sind großartig in ihren Rollen – es geht um Vertrauen, Macht und Kommunikation. Der unbedingt sehenswerte Film befindet sich in der Vorauswahl zum nächsten Europäischen Filmpreis.

Mi. 18.11.2020 / 20:00

ABGESAGT! IL TRADITORE – ALS KRONZEUGE GEGEN DIE COSA NOSTRA OmU Cinema Italiano

Der Film gewann bisher 12 Film-und Festivalpreise und ist für weitere 12 nominiert.

© Lia Pasqualino 2020 Pandora

Während der frühen 1980er Jahre tobt ein Krieg im Inneren der sizilianischen Cosa Nostra  zwischen dem aufstrebenden Mafia-Clan der Corleonesi und den Clans aus Palermo. Der hochrangige Mafiaboss Tommaso Buscetta taucht in Brasilien unter, während in Italien alte Rechnungen beglichen und Buscettas Angehörige und Verbündete systematisch ermordet werden. Aufgespürt, verhaftet und von der brasilianischen Polizei nach Italien ausgeliefert, trifft der bis dato loyale Gefolgsmann Buscetta die Entscheidung, gegenüber dem Untersuchungsrichter Giovanni Falcone das Schweigegelübte zu brechen, das er mit dem Beitritt in die sizilianische Cosa Nostra abgelegt hat. Seine Zeugenaussage hilft bei der Verurteilung hunderter Angehöriger der Cosa Nostra in Italien und den USA während des Maxi-Prozesses in den 1980er Jahren. Der in jeder Kategorie ausgezeichnet besetzte und großartig gemachte Film war Italiens Beitrag für eine Oscar-Nominierung 2019 als Bester Internationaler Film. Nach seiner Premiere in Cannes im Mai 2019 sollte er ursprünglich in den deutschen Kinos im April 2020 anlaufen, der Filmstart wurde jedoch wegen der Pandemie auf September 2020 verschoben. Jetzt zeigen wir ihn im FILMORUM.

Mo. 16.11.2020 / 20:00

ABGESAGT! Exil

Immer mehr Migranten und Flüchtlinge fühlen sich in Deutschland nicht mehr ganz so wohl. Mit Recht?

© 2020 Alamode Film

Um diese Frage kreist Visar Morinas großartiger Film EXIL in dem Mišel Matičević den eigentlich perfekt integrierten Kosovo-Albaner Xhafer spielt, der plötzlich an allem zweifelt. Er wohnt mit seiner Frau Nora (Sandra Hüller) und drei gemeinsamen Kindern in einer sehr deutschen Vorstadtsiedlung – und hat eine feste Anstellung in einem Pharmaunternehmen. Auf den ersten Blick könnte Xhafer nicht besser integriert sein, doch das Gefühl, irgendwie nicht richtig dazuzugehören nagt an ihm. Die E-Mail zu der Verlegung einer wichtigen Versammlung in seiner Firma hat er nicht bekommen. Ein Versehen? Vielleicht. Ein Kollege verlangt plötzlich Einsicht in Untersuchungsergebnisse. Reine Routine? Wer weiß. Spätestens wenn plötzlich der Kinderwagen vor dem Reihenhaus in Flammen steht, scheint klar: Jemand hat es auf Xhafer abgesehen. Mit bemühter Selbstbeherrschung versucht er dem gefühlten Mobbing auf den Grund zu gehen, zweifelt an sich, seiner Wahrnehmung, seinem Urteilsvermögen. Am Ende ist er ganz allein, irgendwie Teil der Gesellschaft, aber doch nicht richtig.

Mo. 09.11.2020 / 20:00

ABGESAGT! Aretha Franklin – Amazing Grace OmU

Ein Musik- und Dokumentarfilm aus dem Jahr 2018 über ein legendäres Kirchenkonzert von Aretha Franklin im Jahr 1972.

© 2019 Courtesy of Amazing Grace and Weltkino

Unter allen Liedern, die von Gottes Gnaden und der Kraft des Glaubens erzählen, ist „Amazing Grace“ wahrscheinlich das berühmteste. Die Erde wird sich irgendwann auflösen wie Schnee, die Sonne aufhören zu scheinen, doch wer dem Weg des Herrn folgt, auf den wartet ein Jenseits voll Freude und Frieden. So lautet das Versprechen. Obwohl „Amazing Grace“ im 18. Jahrhundert vom ehemaligen Kapitän eines Sklavenschiffs geschrieben wurde, stieg es zur schwarzen Gospelhymne auf. Als in Charleston neun Afroamerikaner erschossen wurden, sang der damalige Präsident Barack Obama den Song bei der Trauerfeier. Der Film zeigt, wie Aretha Franklin an zwei Abenden im Januar 1972 in der New Temple Missionary Baptist Church von Los Angeles ihr gleichnamiges Doppelalbum aufnimmt, das als meistverkaufte Gospelplatte in die Geschichte einging. Aretha Franklin stand zu der Zeit mit 29 Jahren auf dem Zenit ihrer Karriere, hatte 20 Alben herausgebracht, fünf Grammys gewonnen. „Amazing Grace“ singt sie völlig entschleunigt, Silbe an Silbe fügend. Es ist das Lied einer Bekehrung.

Mi. 04.11.2020 / 20:00

ABGESAGT! Romeo & Julia OmU english cinema

Baz Luhrmanns gewagte, moderne Variante der größten Liebesgeschichte aller Zeiten ist ein faszinierendes Filmerlebnis mit wunderbaren Darstellern

Twentieth Century Fox

Kritik aus dem Lexikon des Internationalen Films: „Aus Versatzstücken des aktuellen Actionkinos, der Popmusik-Kultur, einer gehörigen Dosis religiösem Kitsch und dem 400 Jahre alten Originaltext entstand eine durch die Fülle der Einfälle die Wahrnehmungsfähigkeiten des Zuschauers herausfordernde fulminante Version der Shakespeare‘schen Liebestragödie. Der Film ist ein spannender Versuch, Shakespeare in einem aktuellen Kontext der Reflexion über Gewalt und moderne Medienkultur anzusiedeln.“ Die überaus erfolgreiche Verfilmung wurde auf internationaler Ebene mit vielen Auszeichnungen bedacht.

Di. 03.11.2020 / 20:00

ABGESAGT! Viel Lärm um nichts

Als rasant-übermütige Shakespeare-Verfilmung, von einem Ensemble aus Theater- und Kinostars ausgezeichnet gespielt.

Parkcircus

Das Thema des Geschlechterkampfes steht im Mittelpunkt dieser gleichermaßen werkgetreuen wie populären Theateradaption, die vor allem von ihrem sprühenden Sprachwitz lebt. Die scharfzüngigen Wortgefechte zwischen der schönen Beatrice und dem eingefleischten Junggesellen Benedikt suchen in der Filmgeschichte ihresgleichen. Wie verkuppelt man zwei Menschen, die kein größeres Vergnügen kennen, als sich gegenseitig zu beschimpfen? Ganz einfach: Man sagt ihnen, dass der eine hoffnungslos in den anderen verliebt ist. Der Regisseur und Schauspieler Kenneth Branagh hat die schöne Komödie mit seinem großartigen Ensemble wunderbar leicht und unterhaltsam verfilmt.