ARCHIV FÜR November 2019

Mo. 25.11.2019 / 20:00

PARASITE

Der Film erhielt 2019 als erster südkoreanischer Film in Cannes die Goldene Palme.

© 2019 Koch Films

Es ist einfach, mit dem Finger auf die einen zu zeigen, egal, ob es die Reichen oder die Armen sind. Dass es auch anders geht – nämlich in jeder Figur Würde und Menschlichkeit zu finden, zeigt dieser Film: Im Untergeschoss eines völlig heruntergekommenen Hauses leben die Kims in größter Armut. Die Aussichten sind trostlos für die ganze Familie. Zwar ist der Zusammenhalt untereinander groß, aber die Arbeitslosigkeit liegt wie ein großer Schatten über ihnen. Vater Kim Gi-taek, seine Frau Chung-sook und die inzwischen erwachsenen Kinder Ki-woo und Ki-yung machen jeden Aushilfsjob den sie kriegen können. Der Sohn Ki-woo hat eine Idee, wie er an Geld kommen könnte. Er fälscht seinen Lebenslauf, um einen Job als Nachhilfelehrer in einer gutsituierten Familie zu bekommen. Er wird bei der Familie Park eingestellt. Aber es verläuft alles anders als geplant…

Mo. 18.11.2019 / 20:00

EFFI BRIEST

Ein großer Film zum Fontane-Jahr. Theodor Fontane wurde 1819 in Neuruppin geboren.

© Filmverlag der Autoren

Der Film aus dem Jahr 1974 von Rainer Werner Fassbinder hat den vollständigen Titel: “Fontane Effi Briest oder Viele, die eine Ahnung haben von ihren Möglichkeiten und ihren Bedürfnissen und trotzdem das herrschende System in ihrem Kopf akzeptieren durch ihre Taten und es somit festigen und durchaus bestätigen.“ Theodor Fontanes Roman vom Scheitern einer Ehe in einem beklemmenden Geflecht gesellschaftlicher Zwänge in einer äußerst subtil inszenierten und stilistisch geschlossenen Verfilmung. Fassbinder reflektiert dabei nicht nur die gesellschaftliche Situation seiner Figuren, sondern letztlich auch die des Künstlers, der sie beschreibt: Nicht nur Literaturverfilmung, sondern ein Film als Lektüre – man sieht und hört und liest einen Roman. Unbedingt (wieder?) sehenswert!

So. 17.11.2019 / 20:00

DER PIANIST

Kultur wider das Vergessen. In Zusammenarbeit mit der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jhd. e.V.

© 2002 Bac Films

Der Film von Roman Polanski ist eine fast unfassbar authentische Wiedergabe des Alltags im Warschauer Getto. Adrian Brody spielt den gedemütigten Künstler, den gequälten und drangsalierten Juden mit äußerster Intensität. Der Film wurde weltweit mit diversen Film-preisen ausgezeichnet, unter anderem mit drei Oscars in den Kategorien „Beste Regie“, „Bester Hauptdarsteller“, sowie „Bestes Drehbuch“.

So. 17.11.2019 / 11:00

M.C. ESCHER – DIE REISE IN DIE UNENDLICHKEIT

Ein spannender Trip in faszinierend geheimnisvolle Bilderwelten.

© 2018 Robin Lutz AV productions

„Ich denke, es gibt nur eine Person, die einen guten Film über meine Arbeit machen kann: ich selbst“, schrieb Maurits Cornelis Escher an einen amerikanischen Sammler im Jahr 1969. Die Warnung des genialen Künstlers macht der preisgekrönte Doku-Filmer Robin Lutz zum Konzept und lässt in seinem Biopic das Leben der Kunst-Ikone mit dessen eigenen Worten erklären: Briefe und Notizen schildern aus erster Hand, wie der Maestro tickte. Woher er die Ideen nahm. Wie er scheiterte und triumphierte.

Mi. 13.11.2019 / 20:00

MONSIEUR CLAUDE 2 Cinéma Français OmU

Originaltitel: Qu´est-ce qu´on a encore fait au Bon Dieu, Deutsch: Was haben wir dem lieben Gott denn schon wieder getan?

© 2019 Neue Visionen Filmverleih

Die Fortsetzung des 2014 erschienen Erfolgsfilms „Monsieur Claude und seine Töchter“. Monsieur Claude und Madame Marie kommen ihrem Hochzeitsversprechen nach und besuchen die Familien ihrer Schwiegersöhne in der Elfenbeinküste, in Israel, Algerien und China. Die Weltreise gestaltet sich für die beiden allerdings als schwierig, da sie mit den für sie fremden Kulturen nicht zurechtkommen. Monsieur Claude versucht seine Schwiegersöhne, die nicht gerade erfolgreich ihren Berufen nachgehen können, nach Frankreich zurückzuholen. Er betont, wie schön es sei, wenn alle Religionen und Ethnien in Zeiten der „zunehmenden Islam-Feindlichkeit und des wieder aufkeimenden Antisemitismus“ brüderlich vereint und mit gegenseitigem Respekt am Tisch sitzen würden. In Frankreich konnte der Film 7 Millionen Zuschauer verzeichnen, in Deutschland mehr als 1 Million.

Mo. 11.11.2019 / 20:00

SYNONYMES

Ein Israeli flüchtet nach Paris, um eine neue Identität anzunehmen.

© 2019 grandfilm

Sein Land hat Yoav nach dem Militärdienst verlassen und ist, vor allem dem Mythos Paris als Hauptstadt der Kultur wegen, nach Frankreich gekommen. In einer leeren Wohnung findet er Unterschlupf, als er badet wird ihm sein ganzer Besitz gestohlen, nackt rennt er durchs Treppenhaus, bricht zusammen – und wird von einem jungen, bourgeoisen Paar gerettet. Emile und Caroline sind das Klischee eines Pariser Künstlerpaares: Dank dem reichen Vater wohnen sie in einem mondänen Appartement. Emile schreibt an einem Roman und trinkt viel Rotwein. Caroline spielt die Oboe. Fasziniert von Yoav, von seinem wilden Geist, seinem nackten Körper, geben sie ihm Geld und Kleidung, vor allem einen senffarbenen Mantel, den Yoav kaum einmal ablegen wird. Bei der israelischen Botschaft bekommt er einen Job als Sicherheitsbeamter, den er nach wenigen Tagen verliert, als er Wartende ohne Kontrolle in die Botschaft lässt und „Es gibt keine Grenzen“ skandiert. Ein anderer Israeli sieht überall Antisemitismus, den er durch Provokationen geradezu heraufbeschwören will. Schließlich will sich Yoav einbürgern lassen und nimmt an einem Integrationskurs teil. Mit dem Erfolg, dass er nicht mehr die martialische israelische Hymne singen muss, sondern die ebenso blutrünstige französische. „Synonymes“ wurde auf der Berlinale 2019 mit dem Goldenen Bären für den besten Film des Wettbewerbs ausgezeichnet.

Mo. 04.11.2019 / 20:00

DEUTSCHSTUNDE

Die kongeniale Umsetzung der berühmten Romanvorlage von Siegfried Lenz.

© 2019 Wild-Bunch-Germany-Foto-Georges-Pauly

Der Film erzählt auf eindringliche Weise von Deutschland in der NS-Zeit und der Rolle, die bedingungslose Pflichterfüllung darin spielte. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: Der als schwer erziehbar geltende Siggi Jepsen ist in einer Besserungsanstalt untergebracht, doch er trotzt auch hier den Lehrern. Als er zum Thema „Die Freuden der Pflicht“ keinen Aufsatz verfassen kann, wird er in Einzelverwahrung gesteckt, bis die Aufgabe erledigt ist. Und so schreibt Siggi von seiner Kindheit in Schleswig-Holstein während der Kriegsjahre. Er berichtet von seinem Vater, der streng war und dem NS-Regime in treuem Gehorsam folgte. Und von seinem Patenonkel, dem Maler Max Nansen, der eines Tages nicht mehr malen durfte, weil seine Kunst von denen in Berlin als „krank“ bezeichnet wurde. Als Siggis Vater seinen Sohn benutzen will, um den Maler auszuspionieren, gerät der Junge in einen Gewissenskonflikt. Vor über 50 Jahren erschien mit „Deutschstunde“ einer der berühmtesten Romane von Siegfried Lenz – der sich darin nicht nur mit der NS-Zeit, sondern auch mit deren Aufarbeitung im Nachkriegsdeutschland auseinandersetzte. Regisseur Christian Schwochow und der Drehbuchautorin Heide Schwochow ist es gelungen, die dichte Atmosphäre der Vorlage eindringlich auf die Kinoleinwand zu bannen.