ARCHIV FÜR März 2019

Mo. 18.03.2019 / 20:00

100 Jahre Bauhaus

Der Film VOM BAUEM DER ZUKUNFT

© 2018 Neue Visionen

Ein Abend in Kooperation mit der VHS/studium generale zum Thema „Stadt im Fluss“.

Nach einer kurzen Pause folgt der großartige Dokumentarfilm VOM BAUEN DER ZUKUNFT – 100 JAHRE BAUHAUS über die Geschichte und Gegenwart dieses Ideenprojekts. „Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau.“ Mit diesen Worten beginnt Walter Gropius sein Bauhaus-Manifest von 1919. Damit war die legendäre Kunstschule geboren, die Kunst und Handwerk zusammendenkt, den Menschen und die Gemeinschaft ins Zentrum rückt und das radikale, das utopische Denken fördert. Die Filmregisseure Niels Bolbrinker und Thomas Tielsch zeichnen einerseits die Geschichte der Schule nach: von den Anfängen in Weimar, der Idee des Zusammenlebens und der Gemeinschaft die Gropius, Kandinsky oder Paul Klee formulierten, über den Umzug nach Dessau, die Vertreibung von dort nach Berlin durch die NSDAP und schließlich die Auflösung 1933 infolge der Nazidiktatur. Es ist ein Film über Fantasie und Utopie auf der Suche nach dem Großen Zusammenhang zwischen Architektur, Gestaltung und Gesellschaft.

Mo. 18.03.2019 / 19:00

Stadt Neu Denken

Vortrag von ROGER MANDL

© 2018 Neue Visionen

Ein Abend in Kooperation mit der VHS/studium generale zum Thema „Stadt im Fluss“.

Seit Menschen sich niederlassen, ob temporär oder dauerhaft, geht es auch immer um Fragen der Zweckmäßigkeit, der Ordnung, der Struktur, der Symbolik, der Macht und vor allem auch des Wohlgefühls. Globalisierung und Urbanisierung prägen unsere Zeit. Wir erleben Städte im Umbruch. Mit der Stadt verband sich von jeher der Wunsch und die Hoffnung auf mehr Chancen, mehr Geld und ein besseres Leben. Bis heute konzentriert sich die Bevölkerung auf produktive Aktivität und Wohlstand sowie wissenschaftliche, kulturelle und soziale Innovation. Aber erfüllen Städte für alle die Hoffnung auf ein buntes, lebendiges und zufriedenes Leben im Wohlstand? Auch wenn viele dieser Probleme unser idyllisches Landsberg noch nicht erreicht haben – soziale, wirtschaftliche, kulturelle und gestalterische Herausforderungen gibt es auch hier. Vor 100 Jahren hat sich das BAUHAUS in Dessau weitreichend über Fantasie und Utopie auf der Suche nach dem großen Zusammenhang zwischen Architektur, Gestaltung und Gesellschaft beschäftigt. Darüber berichtet im ersten Teil des Abends der Architekt und Dozent ROGER MANDL, der mit seinen Studenten intensiv untersucht hat, den Wert der Bauhaus-Ideen auch in der Jetztzeit zu nutzen.

Di. 26.03.2019 / 20:00

Poesía sin Fin / Endless Poetry

Eine faszinierende Mischung aus Theater, Pantomime, Zirkus und Comic.

© 2018 Wolf Kino

Der junge Alejandro Jodorowsky lebt in Santiago de Chile und hilft seinem Vater in dessen Laden. Entgegen dem Wunsch seiner Familie, ein Studium als Mediziner aufzunehmen, entscheidet er sich jedoch dafür, eine Karriere als Poet zu verfolgen. Nach und nach lernt er andere Künstler und Freigeister kennen, die ihn in seinem Traum, Poet zu werden, unterstützen. Der lose geknüpfte Erzählfaden motiviert eine Reihe von Begegnungen Alejandros´ mit skurrilen Gestalten, die den werdenden Dichter auf unterschiedliche Weise inspirieren. In einer märchenhaft überzeichneten Künstler-WG trifft er auf Seelenverwandte, denen ihre Kunst auf eine jeweils sehenswerte Art zur zweiten Natur geworden ist. Jede dieser Mini-Episoden schwelgt in einer an Fellini erinnernde Bilderfülle. Selten hat man das Gefühl, dass das Kino so sehr zu sich selbst kommt.

Mo. 25.03.2019 / 20:00

The Cakemaker

Eine Liebe, größer als der Tod.

© 2018 missing Films

Ein junger Deutscher bandelt in Jerusalem mit der Frau seines verstorbenen Lovers an: „Der diesjährige Oscar-Beitrag aus Israel ist der schönste Liebesfilm seit langer Zeit“ sagt DER SPIEGEL. Die Geschichte von THE CAKEMAKER beginnt in Berlin, wo Thomas in einem kleinen Café arbeitet. Einer seiner Stammkunden ist der Israeli Oren, der vor allem Thomas´ Zimtkekse liebt. Bald sind die beiden ein Paar. Allerdings sehen sie sich nur einmal im Monat, denn Oren pendelt zwischen Jerusalem und Berlin und hat zuhause Familie. Er ist Architekt und ist mit Anat verheiratet, der Sohn geht gerade in die Schule.
Nach seinem letzten Berlin-Besuch reagiert Oren nicht mehr auf Thomas´ Anrufe. Nach qualvoller Ungewissheit erfährt er: Oren ist in Jerusalem bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Einige Wochen später entschließt sich seine Frau Anat trotzdem, wie schon zuvor geplant, ein kleines Café zu eröffnen. Einer ihrer ersten Gäste ist ein junger Deutscher, der sie nach einem Job als Aushilfe fragt. Er erweist sich als Glücksgriff, denn er backt himmlische Zimtkekse, die bald reißenden Absatz finden. Natürlich handelt es sich um Thomas, und es ist eine der vielen klugen Entscheidungen des Regisseurs, dass er uns Zuschauer lange im Ungewissen darüber lässt, was Thomas eigentlich von Anat will. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Grundkonstellation dramatisch anzuspitzen, aber nichts dergleichen geschieht. Als Thomas und Anat sich zum ersten Mal küssen, scheinen beide verwundert über ihr eigenes Tun. Der Film zeigt zwei Menschen, Versehrte der Liebe, auf der Suche nach dem Ausweg aus der Einsamkeit.

Mo. 11.03.2019 / 20:00

Der Junge muss an die frische Luft

Caroline Links Verfilmung von Hape Kerkelings Autobiografie.

© 2018 20th Century Fox

Caroline Link hat dieses Buch nun ganz wundervoll verfilmt und auch gleich den Bayerischen Filmpreis 2019 für die beste Regie zugesprochen bekommen. Mit dem Debütanten Julius Weckauf hat sie einen großartigen Darsteller gefunden, der dem jungen Kerkeling nicht nur verblüffend ähnlich sieht, sondern ihn auch erstaunlich souverän spielt. Tieftraurige Momente sind es, wenn der kleine Hans-Peter verzweifelt singt und tanzt, sich Petersiliensträußchen hinter die Ohren steckt, um seine Mutter am Leben zu halten. Der Film ist – mehr noch als das Buch – auch ein Porträt der ausgehenden Wirtschaftswunderzeit. Von der braunen Fanta-Flasche über die Luftschutzsirenen, die damals noch zur Übung heulten, stimmt jedes Detail. Link ist wie Kerkeling Jahrgang 1964, der Krieg lag da noch keine zwanzig Jahre zurück. Das Drehbuch deutet die Wunden des Krieges an, den Zwangsoptimismus der Überlebenden, den Preis des flotten Wiederaufbaus. Hans-Peters Vater ist etwa viel zu oft bei der Arbeit. Auch an dem Abend, an dem sie sich das Leben nimmt, ist die Mutter allein. Zu Hans-Peter sagt sie, er dürfe so lange fernsehen, wie er wolle. Der ahnt, dass etwas nicht stimmt, hält aber durch bis zum Schluss der Sendung. Danach sitzt er stundenlang wie erstarrt neben der Sterbenden im Bett. Wie kann ein Kind nach einer solchen Erfahrung weiterleben? Eine Antwort liegt in der Familie, deren Mitglieder Caroline Link liebevoll porträtiert. So diskret sie die Erkrankung der Mutter schildert, so ausführlich die lustigen und behüteten Momente dieser Kindheit. Es sind filmische Miniaturen des heiter-resignativen „Trotzdem“.

So. 10.03.2019 / 20:00

Gegen den Strom

Ökothriller, Abenteuerfilm, Märchen und Komödie über eine Umweltaktivistin.

© Pandora Film GmbH

Nach außen ist Halla eine patente, liebenswürdige Frau in den besten Endvierziger- Jahren, die allein lebt und als Chorleiterin arbeitet. Doch der Eindruck täuscht, denn sie führt ein geheimes Doppelleben. In ihrer Freizeit ist sie eine Umweltaktivistin, die einsam, mutig und zielstrebig die isländischen Berge durchstreift, um Stromleitungen zu zerstören. Der Grund: Sie will die Natur retten, indem sie gemeinsame Machenschaften von Politik und Wirtschaft bekämpft und dafür sorgt, dass der Verkauf der isländischen Aluminiumindustrie nach China gestoppt wird. Auch wenn sie sich vieler Sympathien in der Bevölkerung sicher sein darf – die Obrigkeit betrachtet sie als Bedrohung. Nach vielen Jahren der Wartezeit erfährt sie, dass sie ein Kind aus der Ukraine adoptieren kann. Das verstärkt ihre Aktivitäten: Sie veröffentlicht ein Manifest und riskiert immer mehr. Ihre Anschläge werden gefährlicher. Neben der lokalen Polizei setzen sich auch Geheimdienste auf ihre Spur. Aber sie bleibt unbeirrt und will mit allen Mitteln „den Krieg auf Mutter Erde stoppen“. Spannung und Action, wunderschöne Bilder aus der isländischen Bergwelt, eine Erzählweise, die bei aller Rasanz eine gewisse Gelassenheit behält, machen den Film zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Dazu eine ganz wunderbare Hauptdarstellerin, die als weiblicher Robin Hood die Wildnis durchstreift und für das Gute kämpft. Willkommen in Island!

So. 10.03.2019 / 11:00

Rosa Luxemburg

Zum 100. Todestag der kämpferischen Sozialistin, die 1919 von rechten Freicorps-Offizieren ermordet wurde.

© Studiocanal

Die behutsame und gefühlsstarke Frauenbiografie legt das Augenmerk weniger auf historische Vollständigkeit, nähert sich vielmehr in erster Linie den persönlichen inneren Beweggründen politischen Handelns. Einfühlsam in Inszenierung, Spiel und Fotografie überzeugt der Film inhaltlich als Besinnung auf Zivilcourage, unbestechliche politische Moral sowie auf den Mut zu utopischem Denken. Gleichzeitig zeichnet der Film ein eindringliches Bild von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation der Wilhelminischen Ära. Mit Barbara Sukowa als Rosa Luxemburg und Otto Sander als Karl Liebknecht ist der Autorin und Regisseurin Margarethe von Trotta 1986 ein großer Film gelungen, den man unbedingt gesehen haben muss und immer wieder sehen sollte.
(Deutscher Filmpreis in Gold für den besten Spielfilm, Filmpreis in Gold für Barbara Sukowa als beste Hauptdarstellerin!)

Mo. 04.03.2019 / 20:00

“25 km/h” EIN LEBENSTHERAPEUTISCHES ROADMOVIE

Die Tragikomödie mit Herz und Humor erhielt 2018 den Ernst-Lubitsch-Preis.

© Sony Pictures Releasing GmbH

Dass Jungs im Vergleich zu Mädchen leicht entwicklungsverzögert durchs Leben stolpern, ist wissenschaftlich bewiesen. Dass dieser Zustand oft bis ins hohe Erwachsenenalter anhält, kann man regelmäßig in Filmen besichtigen – dort wimmelt es vor lüsternen Egomonstern, Null-Checkern oder Fettnäpfchen-Tretern. In gleich zweifacher Ausfertigung kriegt man diese Spezies Mann in “25 km/h“ präsentiert, was furchtbar kling, es aber überhaupt nicht ist. Denn diese Tragikomödie vereint so viel Herz und Humor, wie man es nur selten im deutschen Unterhaltungskino zu sehen bekommt, zumal präsentiert sie mit Lars Eidinger und Bjarne Mädel in den Hauptrollen ein echtes Dream-Team. Die beiden spielen zwei Brüder, die sich nach Jahrzehnten auf der Beerdigung ihres Vaters wiedersehen. Während der eine in die Welt hinauszog und Karriere machte, blieb der andere im Heimatort und wurde Tischler. Als Teenager träumten sie von einer Tour durch Deutschland, sie wollten Frauen flachlegen, schlafende Kühe auf der Weide umschmeißen und in die Ostsee pinkeln. Ein klarer Fall von Entwicklungsverzögerung, doch jetzt haben die Mittvierziger das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Also schwingen sie sich auf ihre alten Mofas und knattern mit 25 Stundenkilometern los…