ARCHIV FÜR Mai 2018

Mo. 14.05.2018 / 20:00

THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI

Rassismus, Polizeigewalt und Selbstjustiz im Herzen Amerikas.

© 2017 Twentieth Century Fox

Beißende Satire, explizite Brutalität und harscher Sozialrealismus bestimmen das ambitionierte Werk von Martin McDonagh. Die für diesen Film im März als beste Hauptdarstellerin mit dem Oscar ausgezeichnete Frances McDormand spielt Mildred, eine resolute Frau, eigenständig, aber auch ziemlich verbittert, aus gutem Grund, wie man bald erfährt. Denn vor einigen Monaten ist ihre Tochter vergewaltigt und ermordet worden, doch der Täter ist noch nicht gefasst. Nachlässigkeit und Desinteresse wirft Mildred der Polizei vor, allen voran dem Sheriff, den sie ganz persönlich angreift: Auf riesigen Werbetafeln vor der Ortschaft lässt sie Botschaften plakatieren, fragt den Sheriff sehr direkt, warum der Mörder ihrer Tochter noch frei herumläuft. Damit hat Mildred mitten in ein Wespennest gestochen und gegen ungeschriebene Regeln der Gemeinschaft verstoßen und bringt vor allem den jungen Polizisten Dixon zur Weißglut, der ebenso unbeherrscht wie rassistisch ist. Sheriff Bill dagegen erweist sich als besonnener Mann, der es ganz ehrlich bedauert, den Täter trotz intensiver Ermittlungen nicht gefasst zu haben. Dass er an Krebs im Endstadium leidet, interessiert Mildred nicht. Ihr Verlangen nach dem, was sie für Gerechtigkeit hält kennt keine Grenzen und keine Gnade. Ein international vielbeachteter Film mit etlichen Preisen und Auszeichnungen.

Di. 08.05.2018 / 20:00

DIE SÜSSE GIER / IL CAPITALE UMANO OmU

Kunstvoll umgesetztes Drama nach dem Bestseller “Der Sündenfall“ von Stephen Amidon.

© Movienet

Ein Kellner fährt nach Feierabend mit dem Fahrrad nach Hause. Als sich auf der engen, dunklen Landstraße zwei Autos begegnen, wird er in den Straßengraben gedrängt und bleibt dort liegen. Der Film schildert die weiteren Ereignisse aus der Sicht dreier Akteure: Der Immobilienmakler Dino Ossala giert nach sozialem Aufstieg und Geld. Dabei helfen soll ihm Giovanni Bernaschi, mit dessen Sohn seine selbstbewusste Tochter liiert ist. Nach Anerkennung sehnt sich derweilen Giovannis Gattin Carla, die ein ambitioniertes Theaterprojekt verfolgt und mit ihrem künstlerischen Direktor eine Affäre beginnt. Sämtliche Beteiligte glauben sich kurz vor der Erfüllung ihrer Träume, als der erwähnte Unfall mit Fahrerflucht das Leben aller grundlegend verändert. Ein packender Film mit herausragenden darstellerischen Leistungen.

Mo. 07.05.2018 / 20:00

CREATING HARMONY

The Displaced Persons Orchestra from St. Ottilien – OmU

Das „Displaced Persons Orchestra“ wurde im Mai 1945 in St. Ottilien gegründet. Unter anderem konzertierte es im Umfeld der Nürnberger Prozesse. Es war das erste und bedeutendste DP-Orchester in der amerikanischen Besatzungszone. Der Film erzählt die bewegende Geschichte des jüdischen Orchesters von 1945 bis 1948. Das Orchester spielte in gestreiften Konzentrationslageruniformen vor einem Banner mit der Aufschrift „Am Yisroel Chai“ („Das Volk Israel lebt“). David Ben Gurion erlebt das Orchester ebenfalls mit. Am 10. Mai 1948 dirigiert Leonard Bernstein das Orchester auf eigenen Wunsch im DP-Lager Landsberg. Der Film wird erstmals mit deutschen Untertiteln und in einer technisch aufbereiteten Fassung gezeigt. Der Filmemacher John J. Michalczyk, USA, und Nachkommen der Musiker sowie weitere Zeitzeugen werden anwesend sein. Im Anschluss findet ein Gespräch mit Diskussion statt.

Veranstaltungshinweis:

Am 10. Mai 2018 findet ein Jubiläumskonzert um 13:00 und 20:00 Uhr im Stadttheater statt, dass dem DP-Orchester und seinem Wirken gewidmet ist. Ein Teil des historischen Programms des Konzerts vom 10. Mai 1948 im DP-Lager Landsberg wird dabei aufgeführt und durch drei Uraufführungen ergänzt.

So. 06.05.2018 / 11:00

GAUGUIN

Nach Reiseaufzeichnungen von Paul Gauguin während seines Aufenthaltes auf Tahiti 1893.

©-2017-Studiocanal

Mutig ist das schon. Weil sich seine Bilder in Paris nur schwer verkaufen und er selbst das Gefühl hat, dass es nichts mehr gibt, was malerisch auf die Leinwand zu bannen reizt, beschließt der verarmte Maler Gauguin, sein Glück im fernen Polynesien zu suchen. Seine von ähnlichen Existenzsorgen geplagten Künstlerkollegen kann er jedoch nicht überzeugen, seine aus Dänemark stammende Frau Mette sowie die gemeinsamen Kinder noch weniger. Und so reist Gauguin eben alleine nach Tahiti. Schulden türmt er auch bald hier wieder auf, wird krank noch dazu, sein Arzt empfiehlt die Rückkehr nach Frankreich. Doch davon will er nichts wissen, erst recht nicht, als er der Eingeborenen Tehura begegnet, die seine Frau und Muse, seine „primitive Eva“, wird. Die folgenden Monate sind für Gauguin aus kreativer Sicht erfüllend. Es entstehen 66 Meisterwerke, wenngleich ihre Bedeutung damals noch nicht erkannt wird: für den Maler ein demütigender Moment. Der Regisseur und Drehbuchautor Edouard Deluc hatte sich während seines Kunststudiums intensiv mit den Reiseaufzeichnungen des Malers beschäftigt, die ihm nun als Leitfaden für das Künstlerporträt dienten. Reizvoll daran waren insbesondere auch die Aspekte, mit Gauguin einen europäischen Aussteiger in einer exotischen und mythischen Welt zu wissen und über dessen Erfahrungen zu erzählen, in denen sich Lebenstraum und Wirklichkeit einen ständigen Kampf lieferten. Paul Gauguin blieb ein in Armut lebender Künstler, der erst nach seinem Tod in die Kunstgeschichte einging.

Sa. 05.05.2018 / 20:00

DIE DUNKELSTE STUNDE

Krieg oder Frieden? Winston Churchill führt die britische Armee gegen Hitlers Truppen.

©-2017-Universal-Pictures-International-Germany-GmbH

Alles am Ende oder am Ende alles? Im Mai 1940 sind Hitlers Truppen überfallartig in Europa auf dem Vormarsch und Großbritannien darbt in der Isolation. Während sich die die Tragödie im französischen Dünkirchen bereits abzeichnet, kracht der Inselstaat führungslos von einer verheerenden Niederlage in die nächste. Als die Nazis auch noch ungehindert Norwegen und Dänemark okkupieren, wird der englische Premier Chamberlain zum Rücktritt gezwungen. An seine Stelle rückt der kauzige Genius Winston Churchill und vollbringt das Unmögliche. Nicht nur gegen intrigante Widerstände aus der eigenen Partei und die persönlichen Zweifel seines misstrauischen Königs George VI., gelingt es dem Jahrhundertpolitiker, mit blendender Rhetorik Mut und Standhaftigkeit zu agitieren. Seine historische Devise: „Wir werden unsere Insel verteidigen, was es auch immer kosten mag. Wir werden an den Stränden kämpfen, wir werden an den Landungsabschnitten kämpfen, wir werden auf den Feldern und auf den Straßen kämpfen,  wir werden in den Hügeln kämpfen. Wir werden uns nie ergeben, denn ohne Sieg gibt es kein Überleben!“ Ein Porträt dieses schillernden, aber auch von Zweifeln zerrissenen Staatsmannes und dessen innige Beziehung zu seiner Ehefrau Clementine. Überzeugend  dargestellt von Gary Oldman, der schier aufgeht in Churchills Kinesik, seinen Manierismen, seinen Kanten und Tücken. Er erhielt dafür in diesem Jahr den Oscar als bester Hauptdarsteller.