ARCHIV FÜR Februar 2018

Mo. 26.02.2018 / 20:00

ABSCHIED. BRECHTS LETZTER SOMMER

Zur Aufführung DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS durch das Berliner Ensemble am 27.02.18.

© J Schütte

Der Film spielt im Sommer 1956 in der DDR. Bertold Brecht verbringt diesen Sommer in seinem Sommerhaus in dem Örtchen Buckow/Brandenburg. Es ist der letzte Ferientag, bevor Brecht wieder nach Berlin zurück muss, um die neue Theatersaison des Berliner Ensembles vorzubereiten. In seinem Sommerhaus sind sämtliche wichtigen Frauen aus seinem Leben zusammengekommen: seine Ehefrau Helene Weigel und die gemeinsame Tochter Barbara, die ehemalige Geliebte Ruth Berlau und seine aktuelle Geliebte Käthe Reichel. Der Garten grenzt an einen kleinen See, dort wird geschwommen. Die Gruppe plaudert, isst und trinkt, philosophiert über die Kunst, die Politik und über den Sinn des Lebens. Über all dem liegt die Melancholie des Abschieds. Vier Tage später stirbt Brecht in seiner Wohnung in Berlin. Es war eine geradezu geniale Idee, Sepp Bierbichler den Brecht spielen zu lassen. Auf den ersten Blick sieht er zu massiv aus, seine körperliche Präsenz wirkt stärker als die intellektuelle: Aber gerade damit wird die Widersprüchlichkeit dieses Mannes noch gravierender, lässt seine Krankheit ihn stets etwas eingebildet und allürenhaft aussehen. Bierbichlers optische Unähnlichkeit bewahrt den Film zudem vor jenem Imitations-Effekt, der so viele Biopics unterschwellig immer ein wenig zum Kuriosum macht. Auch alle weiteren Rollen sind mit hervorragenden Darstellerinnen besetzt und machen den Film zu einem unbedingt sehenswerten Erlebnis.

Sa. 24.02.2018 / 20:00

AUS DEM NICHTS

Die Liebe einer Frau zu ihrer Familie über den Tod hinaus.

© 2017 Warner Bros. Ent. Inc.

Eine Frau verliert ihren Mann und ihren kleinen Sohn durch einen Bombenanschlag. Aber der Film ist mehr als ein persönliches Drama. Er fiktionalisiert ziemlich realistisch die Gefühle von Hinterbliebenen, deren Liebste durch den NSU ermordet wurden, denn der Bombenanschlag  wurde von zwei Nazis verübt und hat im übertragenen Sinn sehr viel mit unserer gesellschaftlichen Reaktion auf den Terrorismus aller Arten zu tun. Fatih Akin ist mit diesem Film zu der packend-emotionalen Sprache seiner frühen Werke zurückgekehrt. Formal unterteilt er den Film in drei Kapitel: „Die Familie“ ist das emotionale Drama von Verlust und Trauer. „Gerechtigkeit“ zeigt in nahezu klassischer Gerichtsfilmmanier den Prozess. Der letzte Teil heißt „Das Meer“ und wie schon öfter in seinen Werken sieht Akin in der weiten Wasserfläche und dem fernen Horizont ein Bild für den Tod. Der deutsche Hollywood- Star Diane Kruger gewann bei der Premiere in auf den letzten Filmfestspielen in Cannes den Preis als beste Schauspielerin. Und bei der Vergabe der Golden Globes 2018 wurde der Film mit dem Preis als bester ausländischer Film bedacht.

Di. 20.02.2018 / 20:00

DIE FLÜGEL DER MENSCHEN / OmU

Der Traum vom Reiten und die Momente absoluter Freiheit.

© 2017 Neue Visionen

Centaur lebt mit seiner taubstummen Frau und seinem fünfjährigen Sohn in den kirgisischen Bergen. Früher war er Filmvorführer, dann wurde das Dorfkino zur Moschee. Unglücklich darüber, dass die Pferde, einst Sinnbild für den Freiheitsdrang seines Volkes, zur Ware geraten sind, stiehlt er nachts die edelsten Tiere der Oligarchen, um sie frei zu lassen. In weiten Tableaus von wilder Landschaft hängt der Film einem Kirgisistan nach, das es nur noch in alten Naturmythen gibt. Centaur ist ein Idealist, ein Träumer, der gegen den Zeitenstrom der neuen Kapitalisten und Islamisten schwimmt. Der sechste Spielfilm des kirgisischen Regisseurs Aktan Arym Kubat ist eine melancholische Klage über den Wandel der Zeiten und den Verlust der Unschuld: „Wir haben unsere Flügel, unseren Geist verloren“ sagt Centaur – und der Friseur des Dorfes rät ihm, seine Ideale mit zur Schau getragener Einfältigkeit zu tarnen. So wie bereits den Titelhelden seines 2010 entstandenen Films „Der Dieb des Lichts“ spielt der Regisseur nun auch den Pferdedieb selbst. Ein Heimatfilm von leiser, märchenhafter Poesie – aber auch von magischem Realismus.

Mo. 19.02.2018 / 20:00

SCORE / OmU

Eine Geschichte der Filmmusik

Abbey Road Studios © 2018 NFP

Ohne die kreischenden Geigen des Komponisten Bernard Herrmann hätte die berühmte Duschszene in Hitchcocks “Psycho“ kaum so an den Nerven gezerrt. Der Regisseur Matt Schrader untersucht in seiner großartigen Dokumentation Wirkung und Entstehung der Filmmusik und widmet sich intensiv dieser Kombination aus Kompositionskunst und kalkulierter Wahrnehmungsmanipulation. Der Film fragt: Was bewirkt Filmmusik im Kopf? Wie ändert sie das Verständnis von Leinwandbildern? Matt Schrader hat diverse Größen des Genres vor die Kamera geholt: Danny Elfman, David Arnold, Hans Zimmer, Deborah Lurie, Rachel Portman oder Quincy Jones, der sagt: „Wir nennen es >motion lotion< und können den Zuschauer mit Musik alles fühlen lassen, was wir wollen.“ Das klingt nach Geheimwissenschaft und ein bisschen Zauberei. Musik wirkt hochkomplex auf das menschliche Gehirn. Harmonik und Rhythmik werden in verschiedenen Regionen verarbeitet und bewirken unterschiedliche physiologische Reaktionen. Wenn dann noch bewegte Bilder dazu kommen, explodiert das Gehirn regelrecht. Und dazu werden in der Dokumentation total überzeugende Beispiele aus alten und neuen Filmen gezeigt.

So. 18.02.2018 / 19:00

NORMA WINSTONE

Descansado – Songs for Films Exklusiver Filmmusikabend mit internationaler Jazzgröße Norma Winstone

Norma Winstone © Michael Putland

Die Britin Norma Winstone gehört zu den bedeutendsten Vokalistinnen des Jazz. Seit vielen Jahren erscheinen ihre Alben beim Münchner ECM Label. Auf ihrem neuen Album „Descansado – Songs for Films“ interpretieren Winstone und ihre Mitmusiker Stücke legendärer Filmmusikkomponisten wie Michel Legrand, Nino Rota oder Ennio Morricone. Für einige dieser Kompositionen hat Winstone eigene Texte geschrieben, „nicht unbedingt von der Handlung der Filme inspiriert, eher von ihrer Atmosphäre“. Andere, wie etwa das im Original von der portugiesischen Gruppe Madredeus stammende Thema aus dem Wim-Wenders-Film „Lisbon Story“ singt Norma Winstone als Vokalisen. Das Album erscheint im Februar bei ECM und das Konzert ist das einzige Deutschlandkonzert anlässlich dieser Veröffentlichung. Manfred Eicher und ECM suchten sich bewusst das Stadttheater Landsberg als perfekten Spielort aus. Nicht nur, weil das Konzert gut in unser Musikprogramm passt und der Saal sich akustisch hervorragend dafür eignet, sondern auch, weil sich das Filmforum genau an jene Cineasten wendet, die diesen feingliedrigen Umgang mit Filmmusiken zu schätzen wissen.

Eine Gastspielveranstaltung des Stadttheaters.Karten erhalten Sie im Theaterbüro in der Schlossergasse 381a Tel. 08191/128333 und im Reisebüro Vivell am Hauptplatz 149 Tel. 08191/917412. Weiter Informationen und Onlinetickets unter www.stadttheater-landsberg.de

Mo. 12.02.2018 / 20:00

KARL VALENTIN & LIESL KARLSTADT

Die 5 beliebtesten Kurzfilme erstmals in HD.

Foto:© Valentin-Erben RA Fette

IM PHOTOATELIER   1932, L: 27 Min.

„Den kenn´ ich gut, der brauch nicht mehr zu kommen, den fotografier ich auswendig.“

ORCHESTERPROBE   1933, L: 22 Min.

„Der Rhythmus fehlt auch? Den kenn´ ich gar nicht. Sein Brudern, glaub ich, kenn ich.“

IM SCHALLPLATTENLADEN   1933, L: 22 Min.

„So runde schwarze Platten…“ „Mit Musik?…“ „Nein, mit Schall…“

DER FIRMLING   1934, L: 23 Min.

„Ist das ein Grund, dass man den ganzen Tag lacht, wenn man jung ist? Ich war auch einmal jung, vielleicht jünger wie er.“

DIE ERBSCHAFT   1936, L: 21 Min.

Von der nationalsozialistischen Filmzensur verboten, erst 1976 uraufgeführt!

Jung und Alt wünschen wir einen rosenreichen Montag mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt!

Mo. 05.02.2018 / 20:00

BLADE RUNNER 2049

Fragen zur Zukunft des Menschen und seiner Maschinen in hypnotischen Bildern.

© Sony Pictures

Der Film ist eine geniale Fortsetzung des legendären „Blade Runner“ von Ridley Scott aus dem Jahr 1982 durch den kanadischen Regisseur Denis Villeneuve. Optisch atemberaubend und erzählerisch auf hohem Niveau vertieft und erweitert „Blade Runner 2049 die Geschichte seines Vorgängers. In einer Kritik zum Film heißt es, dieser sei alles andere als einer jener typischen seelenlosen Fortsetzungen aus der Kommerzmaschine der Hollywood-Studios – sondern bestehe glanzvoll als singuläres Filmkunstwerk. Die Handlung: Die Stadt ist nicht nur von Menschen, sondern auch von Hologrammen und künstlichen Menschen, den sogenannten Replikanten, bewohnt. Es geht daher um die Frage, wie gehen die Menschen um mit künstlicher Intelligenz, wie human zeigen sie sich im Umgang mit den Replikanten. Im Film wird gezeigt, dass Replikanten und Menschen praktisch dasselbe sind. Der einzige Unterschied besteht darin, wie sie zur Welt kommen. Der Rest – die Gefühle, die Träume, der Wille zu leben – ist gleich. Tatsächlich zeigen Replikanten manchmal mehr Empathie und Barmherzigkeit als die echten Menschen. Sie könnten eine bessere Version unserer selbst sein.