Mo. 02.03.2020 / 20:00

ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL

Judith Kerrs bekannter Roman liefert die perfekte Vorlage für einen einfühlsamen Familienfilm.

© 2019 Frédéric Batier Sommerhaus Warner

Das 1971 erschienene Buch schildert die Vertreibung der jüdischen Familie Kerr – Vater Alfred ein berühmter Theaterkritiker, Mutter Dorothea eine bekannte Pianistin – aus Deutschland, nur wenige Wochen vor der Machtergreifung Hitlers 1933. Ihre beiden Kinder Anna und Max sind neun und dreizehn Jahre alt. Die begüterte Familie lebt in Berlin und wird durch einen Verehrer Alfreds scharfzüngiger Kritiken, die regelmäßig im Radio und der Presse die Theaterlandschaft Berlins sezieren, gewarnt. Die Eltern beschließen, Deutschland zu verlassen und mit ihren Kindern Anna und Max in die Schweiz zu emigrieren, der Beginn einer europäischen Odyssee: Anna muss alles zurücklassen, auch ihr geliebtes rosa Stoffkaninchen, und sich in der Fremde einem neuen Leben voller Herausforderungen und Entbehrungen stellen. Der Film endet mit dem Umzug der exilierten Familie von Paris nach London im Herbst 1935. Er zeigt keine optimistische Geschichte über Flucht, wohl aber eine darüber, seinen Lebensmut niemals zu verlieren. Caroline Link beweist erneut ihr besonderes Gespür im Casting und in der Schauspielführung von Kindern. Riva Krymalowski spielt die Rolle der Anna mit einer Mischung aus Neugier, Frechheit, Witz und Zerbrechlichkeit, womit sie genau zu der starken Persönlichkeit wird, die diese Geschichte tragen kann.