Mi. 15.01.2020 / 20:00

TATIS HERRLICHE ZEITEN (PLAYTIME)

Francois Truffaut: „PLAYTIME ist mit nichts zu vergleichen, was bereits im Kino war“.

Studiocanal

Der Film spielt in einem für die 1960er Jahre absolut futuristisch wirkenden Paris, das nur noch aus einheitlichen Glas- und Stahlkonstruktionen besteht. Die moderne Welt gleicht sich überall bis zur Austauschbarkeit. Modernismuskritik ist ein immer wiederkehrendes Merkmal der Filme Tatis, in PLAYTIME aber feiert sie einen Höhepunkt. Vor allem die Unpersönlichkeit, Konformität und Sterilität der Moderne wird kritisiert, etwa gleich am Anfang des Films, wenn ein chromschimmerndes Gebäude einem Krankenhaus gleicht und erst später eindeutig als Flughafen zu identifizieren ist. Durch die Monotonie der Räume wird die Konzentration auf unvermeidliche Geräusche gelenkt. In der Gleichförmigkeit sind es vor allem die von den Menschen verursachten Töne, die den angestrebten Futurismus der Architektur durch die ihnen innewohnende Komik auflösen. Dass die Moderne schließlich auch diesem Problem abhelfen wird, ist auf einer Möbelausstellung zu sehen. Das erste Unternehmen wirbt bereits mit einem Material, das keinerlei Geräusche mehr verursacht. Selbst wütendes Türknallen bleibt ungehört. Die Kritik der Moderne erscheint durch die Ironisierung und Tückenanfälligkeit der Technik weniger apokalyptisch, dafür aber umso treffender. Die Humanität gewinnt in dieser Einheitlichkeit kleine Ecken der Gemeinsamkeit und der Individualität zurück. Ein von melancholischer Herzlichkeit geprägtes Welttheater, organisiert wie ein filmisches Ballett und in der Durchdachtheit der Inszenierung und dem persönlichen Stil der verschiedenen Leitmotive ein absolutes Meisterwerk, das viele Preise erhielt.