Mo. 25.02.2019 / 20:00

SUSPIRIA

Hexensabbat: In der Neubearbeitung des Klassikers geraten die Tanzaufführungen zu einem psychedelischen Strudel.

„Wenn man den Tanz eines anderen tanzt, dann macht man sich zum Abbild des Schöpfers“, stellt die Tanzlehrerin Madame Blanc fest und will das neue Ensemblemitglied damit auf ihre erste Hauptrolle vorbereiten. Susie ist aus Ohio ins geteilte Berlin gekommen, um sich in der renommierten Tanzschule ausbilden zu lassen, an der die berühmte Madame Blanc unterrichtet. Doch sie merkt bald, dass hier etwas nicht stimmt. Ihre spurlos verschwundene Vorgängerin, Albträume und Gerüchte von Hexentreibern machen sie gleichermaßen misstrauisch und neugierig. Nach seiner großartigen und oscarprämierten Romanadaption von „Call Me By Your Name“ hat sich der italienische Regisseur Luca Guadagnino an eine Neuinterpretation des Klassikers „Suspiria“ von Dario Argento gewagt, die Argentos orgiastische Traumlogik und Splatterästhetik bei weitem übersteigt. Er siedelt seinen Film im Deutschen Herbst 1977 an – die Nachrichten berichten von der Entführung Martin Schleyers, der Entführung des Lufthansaflugzeugs „Landshut“ und den Selbstmorden der RAF-Mitglieder in Stammheim. Die Tanzschule steht direkt an der Berliner Mauer. Ein Hexenzirkel leitet die Schule. Guadignino  setzt damit konträre Ideologien und Gesellschaftssysteme miteinander in Spannung und beobachtet die Reibungsflächen. Der sphärische Soundtrack von Radiohead-Frontmann Thom Yorke lässt Psychoanalyse, okkulte Rituale und Tanzperformances zu einem psychedelischen Strudel ineinanderfließen. Man könnte dem Regisseur eine intellektuelle Kopfgeburt vorwerfen, doch verwebt er seinen Überbau geschickt mit den beinahe akrobatischen Körperhorrorszenen, die sich in ihrer nervenzerrenden Langsamkeit tief ins Unterbewusste  brennen.