Mo. 02.12.2019 / 20:00

JOKER

Der Film wurde im August 2019 in Venedig als Bester Film mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

© Copyright 2019 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. TM & © DC Comics Niko Tavernise

„Joker“ ist tatsächlich auf allen Ebenen ein Meisterwerk: Die Story als Prequel angelegt, das Art-Design beeinflusst vom New York der siebziger Jahre, ein origineller Soundtrack und bewegende Tanz-Choreographien werden noch getoppt von der sensationellen schauspielerischen Leistung von Joaquin Phoenix, in der er der Nemesis von Batman ein Gesicht gibt, das hinter der Clownsmaske einen verstörten Jungen ausmacht. Diese Geburt des Jokers erfahren wir hier nicht nur auf erzählerische Weise, auch visuell setzt Regisseur Todd Phillips eine außerordentliche Initiationsgeschichte in Gang. Aus dem schüchternen Jungen, der wie ein geprügelter Hund durch die Straßen schleicht, wird ein selbstbewusster Clown, der durch die Metropole tanzt wie einst Fred Astaire. Sein Lachen, das anfangs so schmerzerfüllt klang, wird zu einem Lachen der Freude. Alle Demütigungen, die er ertragen musste, kehren sich um in Destruktion und Zynismus. „Filme sind immer ein Spiegel der Gesellschaft“, sagte Todd Phillips in Venedig und tatsächlich können wir uns in seinen Bildern wiedererkennen, erkennen wir die Fratze des Neoliberalismus, die postfaktischen Reden der Politiker und den Aufstand der Massen, den er angelehnt an die Occupy-Bewegung inszeniert. Im Finale laufen alle mit einer Clownsmaske rum und keiner ist mehr in der Lage, die vielzähligen Verbrechen irgendeinem Täter zuzuordnen.