Mo. 21.01.2019 / 20:00

TOUCH ME NOT

Ausgezeichnet mit dem Goldenen Bären auf der Berlinale 2018.

© 2018 Alamode Film

Wollte man TOUCH ME NOT  auf eine narrative Handlung reduzieren, würde sich das ungefähr so lesen: Laura kann sich nicht berühren lassen. Sie schreckt zurück, wenn jemand sie anfasst oder ihre Hand ergreift. Sie sucht einen Therapeuten auf, bestellt sich einen Callboy, doch ihr Körper bleibt ein Panzer. In losen Szenenfolgen werden weitere Menschen auf der Suche nach Intimität begleitet. Christian, der mit vielen körperlichen Einschränkungen leben muss, spricht unbefangen von seinen Vorlieben, Abneigungen und über sein Liebesleben mit der langjährigen Freundin. Das Paar besucht einen Workshop für Körperwahrnehmung. Menschen jeden Alters mit und ohne Behinderung nehmen daran teil. So auch Tómas, der mit seinem kahlen Kopf seltsam verletzt wirkt und die verschiedenen Formen seines Begehrens erst noch finden und akzeptieren muss. Eine laborartige Atmosphäre und kühle Bilder helfen dem Zuschauer, sich von vorgefassten Meinungen und Vorstellungen von Intimität zu befreien. Der Film begibt sich auf eine emotionale Expedition, um die verschiedenen Facetten von Sexualität jenseits aller Tabus auszuleuchten. Dabei entwickelt jede Szene, unabhängig davon, ob die Situation gespielt oder dokumentarisch ist, ihre eigene Wahrhaftigkeit. Völlig überraschen wurde Adina Pintilies erster Langfilm bei der Berlinale 2018 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet, eine Auszeichnung der Jury um Tom Tykwer, die teils mit Begeisterung, teils mit Unverständnis bewertet wurde. Er zielt auf ein Publikum, das Zumutungen aushält, wie sie beispielsweise die serbische Performance-Künstlerin Marina Abramović bereithält. Eine Herausforderung, die anzunehmen sich lohnt.