Mo. 14.01.2019 / 20:00

SHUT UP AND PLAY THE PIANO

„Der Pianist Chilly Gonzales ist ein Performance-Tier“. (NDR)

© rapid eye movies Alexandre Isard

Man muss nicht mal mehr Klassik-Fans erklären, wer dieser Chilly Gonzales ist. Der einstige kanadische College-Rocker und Berliner Punk-Rapper tritt längst vor ausverkauften Rängen in den Philharmonien der Welt auf – in Bademantel und Pantoffeln, schwitzend und wie ein Schimpanse aufs Klavier einhauend. Er spielt mit dem Wiener Radio Symphony Orchestra und hat durch „Solo Piano“-Platten und seine Musikschule „Gonzervatory“ Tausende ehemalige Klavierschüler zurück ans Instrument gebracht. Wie der als Jason Beck geborene Lümmel mit den großen Händen und der großen Nase und dem noch größeren Ego zum Muhammad Ali der Musik, zum selbsternannten „Musical Genius“ wurde, erzählt endlich der launige wie laute Film. Dem Regisseur Philipp Jedicke hat er für diesen Film jeden Einblick ins Private verweigert – aber ihm zwei Kisten Privatvideos seines Schaffens geöffnet. Überrumpelnde Rap-Performances in Torontoer oder Berliner Clubs zusammen mit seinen Kumpanninnen Mocky, Peaches und Feist sind zu sehen. Wie auch eine Pressekonferenz in Berlin, bei der er im rosa Anzug sein Manifest sein Manifest als „Underground President“ verkündet und nach einer Reporterfrage völlig austickt. Alles rinnt zusammen wie der Schweiß von der Stirn mit dem Blut an den Händen beim Klavierspielen. Alles Hohe Kunst.