Mi. 16.01.2019 / 20:00

BOHEMIAN RHAPSODY

Vom Aufstieg der Band „Oueen“ und ihres Sängers Freddie Mercury.

© 2018 Twentieth Century Fox

„Im Kino gewesen. Geweint.“ Franz Kafkas lakonische Tagebucheintragung (inzwischen zu Tode zitiert) verrät allerdings nicht, was genau den Schriftsteller so sehr rührte. Tränen fließen oft im Kino oftmals aufgrund von trivialen Motiven, deren Tiefe sich erst in dem forschenden Nachdenken erschließt. So ergeht es einem auch in „Bohemian Rhapsody“, dem Biopic über den „Queen“-Sänger Freddie Mercury. Der Film ist mitreißend, witzig und visuell ansprechend. Die Kostüme und die Ausstattung sind eine Augenweide. Trotz zweieinviertel Stunden Länge erscheint die wundervolle Zeitreise in die Popwelt der 80er Jahre absolut kurzweilig. Woraus bezieht der Film vor allem seine emotionale Kraft? Es ist die Musik! In dem fast ausschließlich aus Original-Aufnahmen bestehenden Soundtrack befinden sich die meisten der größten Hits von „Queen“, einschließlich aller elf Songs, die Platz eins der Charts erreicht hatten. Auch wenn es zunächst  wie eine unmögliche Aufgabe klingt, Leben und Karriere des Ausnahmekünstlers Freddie Mercury auf gut zwei Kinostunden zu beschränken: es ist in jeder Weise gelungen. Der Schauspieler Rami Malek meistert die schwierige Gratwanderung zwischen künstlerischem Genie und spleenigem Sonderling dabei bis zur Perfektion. Der Mythos des Sängers und Performers Freddie Mercury wird als gefühltes Evangelium beschworen. So endet seine Geschichte nicht mit seinem Tod im Jahr 1991, sondern 1985 mit dem legendären „Live Aid“-Konzert im Wembley-Stadion. Der von der Musikpresse als bester Liveauftritt aller Zeiten umjubelte Gig wird im Film akribisch nachgestellt – als Popgottesdienst. Im Kino gewesen. Geweint.