Mo. 20.01.2020 / 20:00

PAVAROTTI

Mit seiner einzigartigen Stimme begeisterte Luciano Pavarotti Millionen.

© 2019 Wild Bunch

Wie kein Zweiter brachte der italienische Tenor aus Modena den Menschen die Magie der Oper nahe. Regisseur und Oscar-Gewinner Ron Howard setzt dem charismatischen Künstler ein großartiges, filmisches Denkmal, das nicht nur Opernfans begeistern wird. Ganz im Sinne des Maestros, der nicht umsonst den Beinamen „Tenor des Volkes“ trug, zeigt sein feinfühliges Porträt, dass er die Grenzen der klassischen Musik und Gesangskunst sprengte. Das beweisen nicht zuletzt die mitreißenden Aufnahmen der „Drei Tenöre“ und die emotionalen Konzertausschnitte mit Pop-Künstlern wie Bono. Aber auch den großzügigen Menschen hinter dem gefeierten Menschen macht die einmalige Doku sichtbar. „Genieße, was Du tust“ war sein Motto, und so ist dieser Film über das Phänomen Pavarotti wahrhaftig ein leidenschaftlicher Genuss für alle Sinne.

Mi. 22.01.2020 / 20:00

ASTOR PIAZZOLLA – THE YEARS OF THE SHARK OmU

Rebellisch, kraftvoll und mit Verve ging er durchs Leben: Der argentinische Bandoneon-Spieler und Komponist Astor Piazzolla, Begründer des „Tango Nuevo“

© 2019 Filmdisposition Wessel

Astor Piazzolla bekam als Neunjähriger sein erstes Bandoneon geschenkt. Für den Jungen ein Erweckungserlebnis: Die Klänge des Bandoneons, eine Mischung aus Tasten- und Windinstrument, übten eine gewaltige Faszination auf ihn aus. 20 Jahre später galt Piazzolla bereits als einer der besten Bandoneon-Spieler der Welt. Doch er wollte mehr, studierte außerhalb seiner Heimat Klavier und Komposition. Als er sich einige Jahr später wieder der Musik seiner Heimat zuwandte ließ er den traditionellen „Tango Argentino“ zeitgenössischer und moderner klingen. Sein mit mitreißenden Klassik- und Jazz-Elementen angereicherter „Tango Nuevo“ war nur noch schwer tanzbar – eine radikale Abkehr von der ursprünglichen Form. Das brachte ihm in seiner Heimat nicht nur Freunde ein, Piazzolla kam in den Augen orthodoxer Tango-Musiker und -Liebhaber einem Hochverräter gleich, wurde sogar tätlich angegriffen. „Meine Musik ist Musik für Zuhörer nicht für Tänzer“, ließ er seine Kritiker wissen. Für „The Years of the Shark“ öffnete Piazzollas Sohn Daniel erstmals das umfangreiche, aus unzähligen Ton- und Videodokumenten bestehende Privatarchiv des 1992 im Alter von 71 Jahren verstorbenen Vaters. Diese Aufnahmen von Auftritten und Proben sowie persönlichen Familienfilmen benutzt Regisseur Daniel Rosenfeld, um das ereignisreiche und spannende Leben des rebellischen Künstlers nachzuerzählen.

Mo. 03.02.2020 / 20:00

LARA

Ein Film über verlorene Träume, der Liebe zur Musik und einem besonderen Mutter-Sohn-Verhältnis.

© Studiocanal 2019

Es ist Laras sechzigster Geburtstag, und eigentlich hätte sie allen Grund zur Freude, denn ihr Sohn Viktor gibt an diesem Abend das wichtigste Klavierkonzert seiner Karriere. Schließlich war sie es, die seinen musikalischen Werdegang entworfen und forciert hat. Doch Viktor ist schon seit Wochen nicht mehr erreichbar und nichts deutet darauf hin, dass Lara bei seiner Uraufführung willkommen ist. Kurzerhand kauft sie sämtliche Restkarten und verteilt sie an jeden, dem sie an diesem Tag begegnet. Doch je mehr Lara um einen gelungenen Abend ringt, desto mehr geraten die Geschehnisse außer Kontrolle. Als sie am Abend ihren Sohn vor dessen Konzert doch noch trifft, verunsichert sie ihn mit einer einzigen Bemerkung so sehr, dass man bis zuletzt um ihn fürchten muss. Dass Viktor seine Kompositionen schließlich bravourös spielt, ist wie eine Unabhängigkeitserklärung an seine Mutter.

Di. 04.02.2020 / 20:00

DIE SCHÖNSTE ZEIT UNSERES LEBENS

Über die Verherrlichung von Erinnerungen und den Einfluss, den diese auf unser Leben haben.

© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Viktor gehört zu jener Sorte alter Männer, die nicht mehr mit der Zeit gehen wollen und Computer, Smartphones und überhaupt die ganze Digitalisierung ablehnen. Viktor war mal Karikaturist bei einer Zeitung. Sein Sohn Maxime bietet ihm neue Arbeit in einem selbstverständlich digitalisierten Werbeunternehmen an, aber Viktor will nicht. Stattdessen geht er lieber seiner Frau Marianne auf die Nerven, einer Psychotherapeutin, die mit der Smartphone-Benutzung keine Probleme hat. Vierzig Jahre sind die beiden schon verheiratet, aber nun ist die Krise da. Hatte nicht der Sohn ihm kürzlich das etwas seltsame Geburtstagsgeschenk einer Zeitreise gemacht? Viktor ergreift die Gelegenheit, und er weiß genau, wohin er will: zurück ins Jahr 1974, in eine ganz bestimmte Bar, an einem ganz bestimmten Tag. Nämlich dem, an dem er dort Marianne kennenlernte. Hinter der Fassade von schöner Kurzweiligkeit verbirgt der Film ein überraschend komplexes  Reflektieren über die Wirkung von Kino und Fiktion, über die Verherrlichung von Erinnerungen und den Einfluss, den diese auf unser Leben haben. Fast wünscht man sich am Ende, es gäbe ein solches Zeitreiseunternehmen tatsächlich. Wunderbar!

Mo. 10.02.2020 / 20:00

PORTRÄT EINER JUNGEN FRAU IN FLAMMEN

Die Geschichte einer großen Liebe als Befreiung.

© Alamode Film 2019

Als die Malerin die junge Frau, die sie porträtieren soll, zum ersten Mal sieht, rennt diese weg. Raus aus dem Haus auf der windigen Insel in der Bretagne, hin zu den Klippen. Die Malerin, sie heißt Marianne, rennt hinterher. Die junge Frau (Héloise, ein Adelige) wird immer schneller, rast auf die Klippen zu, als würde sie springen, doch kurz vor dem Abgrund hält sie an und wendet sich hin zur Malerin, die außer Puste hinter ihr steht. „Das wollt ich schon lange machen“, sagt die junge Frau. „Sterben?“, fragt die Malerin. „Nein. Rennen!“. Marianne hat den Auftrag, im Geheimen das Hochzeitsporträt der jungen Adeligen zu malen. Héloise wehrt sich gegen eine familiengeplante Vermählung. Je mehr Zeit die beiden jungen Frauen miteinander verbringen, desto stärker fühlen sie sich zueinander hingezogen. Und je näher je näher sie sich kommen, desto stärker verändert sich auch die Mariannes Darstellung von der Geliebten. Es gelingt ihr sogar, Héloises geheimnisvolles Lächeln auf die Leinwand zu zaubern. Am Ende müssen sich die Frauen trennen. Héloise wird wie geplant nach Mailand verheiratet. Marianne verdient sich ihren Lebensunterhalt später als Zeichenlehrerin. Seit der Premiere auf den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2019 erhielt der Film viele Auszeichnungen in den Bereichen „Bester Film“, „Beste Regie“, „Beste Darstellerin“, „Beste Kamera“.

Di. 11.02.2020 / 20:00

MARRIAGE STORY OmU

Anatomie einer Trennung.

© 2019 Netflix Wilson Webb

Eigentlich waren sie ein Traumpaar: Charlie ist ein erfolgreicher New Yorker Regisseur, der ein unabhängiges Theater gegründet hat. Nicole wurde seine wichtigste Darstellerin, dann seine Frau, dann die Mutter seines Sohnes. Mit ihrem 8-jährigen Henry zieht sie sich nach ihrer Trennung von Charlie zurück in ihre Heimatstadt Los Angeles. Hier verbringt sie viel Zeit mit ihrer Mutter, einer früheren Schauspielerin. Als ihr neues Leben Gestalt annimmt, will sie eine offizielle Scheidung und konsultiert eine hochkarätige Scheidungsanwältin. Nicole will aber auch nach der Scheidung mit ihrem Ex-Mann befreundet bleiben, weshalb alles möglichst sanft abgewickelt werden soll. Sie erzählt aber ihrer Anwältin auch, wie sie in ihrer Ehe nach und nach ihre Ambitionen aufgegeben, ihre Bedürfnisse verdrängt und sich Charlie untergeordnet hat. Er habe sich lieber um seine Karriere gekümmert, als um seine Familie, während sie selbst ihre Schauspielkarriere aufgegeben hat. Nach den romantischen, fernen Momenten am Anfang des Films kommt „Marriage Story“ ohne Rückblenden aus. Letztlich haben Nicole und Charlie keine gemeinsame Vergangenheit, die sie individuell empfinden und bewerten. Es gibt in dem mit Kritikerlob überschütteten Film unglaubliche Höhen und Tiefen, solche pathetischen und wütenden, aber auch tragikomischen und glückseligen, herausragenden Szenen, dass man sich von der Menschlichkeit des Ganzen überwältigt fühlt.

Di. 18.02.2020 / 20:00

BERNADETTE

Eine Frau verschwindet, Mann und Tochter bleiben ratlos zurück.

© 2019 Universum

Richard Linklater ist ein Zeitarbeiter. Den Regisseur fesselt die Frage, was die Zeit mit den Menschen macht, mit Verliebten, mit Kindern und Eltern. Für sein Drama „Boyhood““ gab es 3 Golden Globes und den Oscar. Diese Langzeitstudie in Spielfilmform wurde innerhalb von zwölf Jahren gedreht. Daran knüpft sein neuer Film in gewisser Weise an: „Bernadette“ (nach dem Bestseller von Maria Semple) ist zwar in vergleichsweise wenigen Jahren entstanden, dreht sich aber ebenfalls darum, was die Zeit aus Eheleuten macht, welche Kompromisse sie einzugehen bereit sind. Im Fokus stehen die ehemalige Stararchitektin Bernadette Fox, ihr Mann, der IT-Manager Elgie, und ihre 15-jährige Tochter Bee. Die Titelheldin schläft schlecht und schottet sich ab, was man schon an der übergroßen Sonnenbrille erkennt, die sie trägt. Um dahinter zu kommen, was Bernadette den Schlaf raubt, warum sie plötzlich verschwindet und sich später allein mit einem Kajak durch gewaltige Eisschollen bewegt, müssen Vater und Tochter verstehen lernen. Auch der Zuschauer will begreifen, was mit der eigenwilligen Frau nicht stimmt. Cate Blanchett spielt die komplexe Figur mal exzentrisch und stur, stets intelligent und witzig, mal traumwandlerisch und verletzlich. Bernadettes Reise führt vom Matsch in Seattle bis ins Eis der Antarktis. Vor allem aber tief in ihre Seele, zur Architektur ihrer selbst.

So. 23.02.2020 / 11:00

CRESCENDO #MAKEMUSICNOTWAR

Hat Musik die Kraft, Ignoranz und Vorurteile zwischen jungen Menschen verschiedenster Religionen und Nationalitäten zu überbrücken?

© 2019 Camino Filmverleih GmbH

Eduard Sporck ist ein berühmter Dirigent, der an einer Frankfurter Hochschule unterrichtet. Er soll ein Konzert vorbereiten, welches junge Musiker sowohl aus Palästina als auch Israel zusammen bringt. Das Konzert soll aktuelle Friedensverhandlungen zwischen beiden Ländern begleiten und ein Zeichen gegen den Hass setzen, der schon so lange vorherrscht. Eduard zweifelt. Nicht nur, weil er weiß, dass es nicht einfach sein wird, beide Seiten zusammenbringen. Sondern auch, weil er eine schwierige Geschichte in sich trägt. Und doch spürt er, dass es die Musik ist, die sich gegen alle Grenzen stellt. „Crescendo # makemusicnotwar“ ist ein Film über die Kraft der Musik, die Menschen miteinander verbinden kann. Die Last der Geschichte, die sowohl Jugendliche aus Palästina als auch aus Israel immer mit sich tragen, stellt der Film in vielen Gruppendiskussionen dar. Hierbei werden alle Seiten, alle Meinungen gehört, doch es wird auch in Frage gestellt, ob ein Projekt wie ein gemeinsames Konzert überhaupt Probleme einer solchen Tragweite lösen kann. Eduard Sporck ist die richtige Autoritätsperson, die durch eine eigene berührende Geschichte den jungen Menschen den Weg weisen kann, um sich einer friedlichen Zukunft zu öffnen. Die wunderschöne gemeinsam erarbeitete Musik setzt den Rahmen der Geschichte: als Zuschauer wird man zu einem Teil der Gruppe, die miteinander diskutiert, musiziert und lacht.

So. 23.02.2020 / 20:00

SYSTEMSPRENGER

Einfühlsames und genau recherchiertes Szenario über unser pädagogisches System.

Helena Zengel (Benni) © 2019 Port au Prince

Das Sozialdrama stellt ein 9-jähriges Mädchen in den Mittelpunkt, das als titelgebender Systemsprenger einen Leidensweg zwischen Pflegefamilien, Aufenthalten in der Psychiatrie und Heimen und erfolglosen Teilnahmen an Anti-Aggressions-Trainings durchläuft. Bernadette, genannt Benni, gilt als aggressiv und unberechenbar. Niemand, außer ihrer Mutter, darf ihr Gesicht berühren, da sie sonst um sich schlägt. Eine Folge eines Traumas in der Kindheit, in der ihr, laut Aussage der Sozialarbeiterin, Windeln ins Gesicht gedrückt wurden. Das animiert andere Kinder, sie damit zu provozieren und damit einen Wutanfall auszulösen. Von der Sonderschule wird sie dauerhaft suspendiert und auch in keiner Pflegefamilie oder Wohngruppe wird sie lange ausgehalten. Als sogenannter „Systemsprenger“ droht sie durch alle Raster der deutschen Kinder- und Jugendhilfe zu fallen. Dabei sehnt sich Benni danach, wieder mit ihrer Mutter zusammen zu leben. Die ist aber völlig überfordert und hat Angst vor ihrer eigenen Tochter „Systemsprenger“ erlebte seine Uraufführung 2019 im Wettbewerb der 69. Berlinale und erhielt seitdem zahlreiche internationale Auszeichnungen.

Mo. 24.02.2020 / 20:00

BUT BEAUTIFUL

Eine bessere Zukunft durch menschliche Zuwendung und Abwendung vom Materiellen.

© 2019 Pandora

Nach seinen streitbaren wie essentiellen Filmen “We Feed The World“, “Let‘s Make Money“ und “Alphabet“, in denen es um menschliche Haltungen hinter Lebensmittel-Industrien, Finanzsystemen und Bildungsthemen ging, widmet sich der renommierte und vielfach ausgezeichnete österreichische Filmemacher Erwin Wagenhofer dem Positiven. Im Mittelpunkt stehen nicht länger das Nicht-Funktionieren und fatale gesellschaftliche Entwicklungen in der Welt. Für „But Beautiful“ fand er in einem langjährigen Prozess Menschen und Geschichten, die von gelebten Alternativen hin zum Schönen und Guten künden. Entstanden ist ein Film als Hommage an die Lebendigkeit. Eine poetische Komposition faszinierender Bilder, Texte und Klänge, die etwas auszulösen vermögen. Es ist ein Film über Perspektiven ohne Angst, über Verbundenheit mit Musik, Natur und Gesellschaft, über Menschen mit unterschiedlichen Ideen aber einem großen gemeinsamen Ziel: eine zukunftsfähige Welt.