Mo. 28.09.2020 / 20:00

WEGE DES LEBENS

Eine assoziative Reise durch Zeit und Raum, Vergangenheit und Erinnerung.

© 2020 Universal Pictures International Gemany GmbH

Der Mittfünfziger Leo (Javier Bardem) öffnet nicht die Tür, als seine Haushaltshilfe klingelt, und er geht auch nicht ans Telefon, als seine Tochter Molly anruft. Als sie beide dann gemeinsam die Wohnung betreten, liegt Leo lethargisch im Bett, reagiert kaum und scheint verwirrt. Er leidet unter einer Hirnatrophie. Leo stammt aus Mexiko und war einst Schriftsteller. Nun lebt er seit über 30 Jahren in den USA und hat eine Wohnung in New York. Er will seiner Tochter Molly so viel erzählen, schafft es aber nicht, seine Gedanken zu ordnen. In seinem Kopf vermischen sich die Gegenwart und die Erinnerungen an verschiedene wichtige Ereignisse zu unterschiedlichen Zeitpunkten seines Lebens. Die Regisseurin Sally Potter arbeitet mit Rückblenden beziehungsweise mit Traumsequenzen. Diese Szenen in Leos Fantasie sind durch besonders intensive Farben oder weitaus schnellere Bewegungsabläufe in Kamera und Schnitt gekennzeichnet und zudem wesentlich künstlicher inszeniert. Momente im Hier und Jetzt werden betont realistisch dargestellt. Der Film lebt von Javier Bardems atemberaubender Performance, wenn er Leos Verzweiflung, Traurigkeit und seine Abwesenheit perfekt zum Ausdruck bringt. Dabei stimmt seine Unfähigkeit, sich vorwärts zu bewegen, absolut mit einem von Sally Potters Lieblingsthemen überein: Transition.

So. 04.10.2020 / 11:00

SCHLINGENSIEF – IN DAS Schweigen HINEINSCHREIEN

Christoph Schlingensiefs Wirken als ein Leben + Werk umspannendes Gesamtkunstwerk.

© 2020 Filmgalerie 451

Ein Film über den 2010 mit 49 Jahren verstorbenen Film- und Theaterregisseur und Aktionskünstler, der über mehrere Jahrzehnte hinweg ein künstlerisches Werk geschaffen hat, das in seiner Art und Wirkung unvergleichbar ist und den kulturellen und politischen Diskurs in Deutschland  mitprägte. Der Fokus des Films liegt auf Schlingensiefs  Auseinandersetzung mit Deutschland. Sein Verhältnis zu Deutschland war widersprüchlich. Dass er 2004 in Bayreuth Wagners “Parsifal“ inszenieren durfte und später die Einladung erhielt, den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig zu Venedig zu gestalten, erfüllte ihn aber auch mit Stolz.

So. 04.10.2020 / 20:00

BERLIN ALEXANDERPLATZ

Alfred Döblins Protagonist Franz Biederkopf heißt heute Francis und ist ein Flüchtling aus Westafrika.

© 2019 eOne Germany

DIE ZEIT schwärmt: „Wo soll man anfangen bei diesem Film? Diesem Kosmos an Farben, Tönen, dieser Lebens- und Liebesgeschichte, die einen drei Stunden lang in den Kinosessel drückt. Diesem Werk, das man ohne Übertreibung gewaltig nennen kann. BERLIN ALEXANDERPLATZ ist weit mehr als ein großer Schauspielerfilm und eine virtuose Literaturverfilmung – es ist eine Parabel gegen den Rassismus. Gegen das Wegschauen.“ Verleihung des Deutschen Filmpreises: Bester Spielfilm und fünf weitere Hauptpreise!

Mo. 05.10.2020 / 20:00

DREIVIERTELBLUT – WELTRAUMTOURISTEN

Kunstvoll inszenierte Klänge: Doku über die oberbayerische Band, die diesem Film ihren Namen gibt.

© 2020 24 Bilder

Dass er einmal in einer Band spielen würde, die Songs auf Bayerisch singt, das hätte Gerd Baumann noch vor zehn Jahren nicht gedacht. Inzwischen ist der Gitarrist, Komponist und Filmmusiker zusammen mit dem Sänger und Songtexter Sebastian Horn damit sehr erfolgreich. Gemeinsam gründeten sie 2012 die Band „Dreiviertelblut“. Filmemacher Marcus H. Rosenmüller, der mit den beiden Musikern befreundet ist, hat zusammen mit seinem Co-Regisseur Johannes Kaltenhauser einen Dokumentarfilm über die Band gedreht. Der Film zeigt zwei Konzerte in München, einmal im Prinzregententheater, einmal im Circus Krone, und lässt die Musiker an außergewöhnlichen Orten zu Worte kommen. Die sympathische Art der Protagonisten, Auskunft über ihre musikalische Motivation zu geben und spielerisch zu philosophieren, lässt den gesamten Film sehr entspannt und unterhaltsam wirken. Die kunstvoll zwischen Konzertbühne und anderen Schauplätzen wechselnde Montage verwebt die einzelnen Momenteindrücke zu einem dichten Gesamtbild. Das Ergebnis ist ein ganz wunderbarer Film, den man nicht versäumen sollte!