So. 18.11.2018 / 11:00

VOM BAUEN DER ZUKUNFT – 100 JAHRE BAUHAUS

Über die Geschichte und Gegenwart des Ideenprojekts.

© 2018 Neue Visionen (2)

Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau. Mit diesen Worten beginnt Walter Gropius sein Bauhaus-Manifest von 1919. Damit war die legendäre Kunstschule geboren, die Kunst und Handwerk zusammendenkt, den Menschen und die Gemeinschaft ins Zentrum rückt und das radikale, das utopische Denken fördert. Der Film ist Teil eines crossmedialen, zum Jubiläum realisierten Projekts. Die Filmemacher zeichnen einerseits die Geschichte der Schule nach: von den Anfängen in Weimar, der Idee des Zusammenlebens und der Gemeinschaft die Gropius, Kandinsky oder Paul Klee formulierten, über den Umzug nach Dessau, die Vertreibung von dort nach Berlin durch die NSDAP und schließlich die Auflösung 1933 infolge der Nazidiktatur. Es ist ein Film über Fantasie und Utopie auf der Suche nach dem großen Zusammenhang zwischen Architektur, Gestaltung und Gesellschaft.

Mo. 19.11.2018 / 20:00

IT MUST SCHWING! – THE BLUE NOTE STORY

Auf den Spuren einer Jazz-Institution.

Hank Mobly und Alfred Lion © NDR Studio Hamburg Enterprises GmbH

Das Plattenlabel Blue Note zählt zu den bekanntesten Marken der Jazzgeschichte. Es wurde 1939 von dem aus Berlin in die USA emigrierten deutschen Juden Alfred Lion (Alfred Löw) gegründet. Später stieß dann sein Freund aus Berliner Tagen Francis Wolff (Franz Wolff) hinzu, der maßgeblich für die innovative Gestaltung der Plattencover zuständig war, die später zu einem oft kopierten Vorbild wurden. Es entstanden eindrucksvolle Porträts von Musikern wie Miles Davis, Charlie Parker oder Thelonious Monk, die die Cover zierten. Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren wurde “Blue Note“ zum Karrieresprungbrett zahlreicher Jazzgrößen wie Horace Silver, Herbie Hancock, Art Blakey, Jimmy Smith, Wayne Shorter, Lou Donaldson und vieler anderer, deren Aufnahmen für das Label heute zu den essentiellen Werken des Jazz gehören. Die Geschichte von “Blue Note Records“ ist sicherlich auch die von Außenseitern und die von einer großen Solidarität, mit der sich zwei aus Deutschland geflohene Juden in der „neuen Welt“ , in ihrem neuen Leben jenen annahmen, die in den USA als ausgestoßen galten – den Afroamerikanern. Ihnen waren sie nahe über die gemeinsame Liebe zur Musik. Ihnen galt ihre Solidarität und manchmal fast schon familiäre Fürsorge. Eric Fiedlers Film erzählt die Geschichte von „“Blue Note Records“ zwar vorwiegend chronologisch, doch er nimmt sich immer wieder die Freiheit Nebenwege und eher Anekdotisches in den Fluss der Bilder einzuflechten und der nostalgischen Verklärung der guten alten Zeit des Jazz einen würdigen Rahmen zu geben.

So. 25.11.2018 / 20:00

KINDESWOHL

Ein bewegendes Justiz-und Ehedrama nach dem Bestseller von Ian McEwan.

© 2000-2018 Concorde Filmverleih GmbH

Fiona Maye (Emma Thompson) ist eine renommierte Familienrichterin am Londoner High Court. Sie verhandelt überwiegend besonders heikle Familienangelegenheiten. Mit ihrer Ruhe, ihrer Kompetenz, ihrer Fähigkeit, Argumente sachlich einleuchtend zu gewichten, hat sich die verheiratete, kinderlose Juristin einen Namen gemacht. Ihr intensives, berufliches Engagement belastet aber die Ehe mit ihrem Mann Jack (Stanley Tucci), der als Universitätsprofessor tätig ist. Dank der subtilen Darstellung von Thompson und Tucci wurde aus dem Drama ein sehenswertes Porträt über Gesetz und Religion in einer modernen Gesellschaft.

Mo. 26.11.2018 / 20:00

DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER

Der vielbeachtete Spielfilm von Lars Kraume nach dem gleichnamigen Buch von Dietrich Garstka.

©-2018-Studiocanal

Im Mittelpunkt der Handlung steht eine ostdeutsche Abiturklasse, die sich anlässlich des Ungarischen Volksaufstands 1956 im Unterricht zu einer Schweigeminute für die Opfer entscheidet. Die Solidaritätsbekundung hat Reaktionen zur Folge, mit denen weder die Schüler noch ihre Eltern gerechnet haben. Und wo stehen wir heute? Dietrich Garstka, Verfasser der Buchvorlage sagte über den Film, der 2018 den Friedenspreis Deutschen Films erhielt: „Alles treffsicher“!?

So. 02.12.2018 / 11:00

DIE SEELE DER GEIGE

Ein fesselnder Dokumentarfilm über das geheime Seelenleben der Musik. Musikalischer Gast ist der international renommierte Geigensolist Ingolf Turban.

Martin Schleske und Ingolf Turban

Der Geigenvirtuose Frank Peter Zimmermann vertraut auf Stradivari – der Landsberger Geigenbauer Martin Schleske glaubt an Weiterentwicklung. Doch beide eint das leidenschaftliche Ringen um Perfektion.

Seine große Liebe ist aus Holz und über 300 Jahre alt: Die Stradivari „Lady Inchiquin“ ist die Stimme des Star-Geigers Frank Peter Zimmermann. Zwei Jahre lang musste er auf das 6-Millionen-Instrument durch die Insolvenz der Eigentümerin, einer Bank, verzichten. Der Dokumentarfilm begleitet den gefeierten Solisten bei der Wiederannäherung an seine verloren geglaubte Liebe. „Das ist meine Stimme! Jetzt habe ich sie wieder“ sagt Zimmermann, als er die Geige endlich wieder in den Händen hält. Wie aber entsteht eine solche Stimme, wie erschafft man den perfekten Klang? Der weltbekannte Geigenbauer Martin Schleske bezeichnet seine Werke als Klangskulptur. Für ihn ist es eine existenzielle Erfahrung, wenn aus einem Baum eine Geige, aus Material schließlich Musik wird. “Es geht darum, dem Musiker mit meinem Instrument seine Stimme zu geben“, beschreibt Schleske seine Berufung. Eng miteinander verwoben werden zwei Geschichten vom Suchen und Finden des perfekten Klangs erzählt. Virtuose Konzertszenen, persönliche Interviews und außergewöhnlich nahe Einblicke in das Geigenbau-Atelier zeichnen das Porträt eines Instruments zwischen Mythos und Messbarkeit, zwischen Tradition und Innovation.

Der international renommierte Geigensolist Ingolf Turban wird im Anschluss an den Film live auf einer Stradivari und einer Schleske-Violine aus den Beethoven Violinsonaten spielen. Abgerundet wird diese besondere Matinee durch ein Gespräch mit dem Regisseur Benedikt Schulte und dem Geigenbaumeister Martin Schleske.

Mo. 03.12.2018 / 20:00

WHY ARE WE CREATIVE?

Auf der Suche nach dem Kern dessen, was Kunst, Politik und Wissenschaft ausmacht.

David Bowie © 2018 Rise and Shine Cinema

Kreativität ist eine Sucht, sagt Frank Gehry, Yoji Yamamoto stimmt ihm zu. Man kann einfach nicht aufhören. Sonst werde er verrückt, sagt Mel Gibson und Nick Cave beschreibt, wie alle anderen darunter leiden, Freunde, Familie, das gesamte Umfeld. Es ist eine ungeheure Kraft, die Basis der Wissenschaft sagt Stephen Hawking mit seinem Sprachcomputer und, so Quentin Tarantino, eine Gabe Gottes. Kreativität ist besser als Sex, größer als der Mensch und die einzige Möglichkeit, etwas zu verändern. Politiker, so Vivienne Westwood, tun alles, um im Amt zu bleiben. Wenn überhaupt, können nur Diktatoren etwas verändern. Oder die Kunst! Seit Jahrzehnten treibt Hermann Vaske die Frage nach der Kreativität um, die einzige Frage, die sich zu beantworten lohnt. Er hat dazu Dutzende von Künstlern, Wissenschaftlern oder Politikern befragt, hat Antworten bekommen oder ist, wie von Bill Gates, einfach ignoriert worden. Der Film ist jenseits der Chronologie streng komponiert, ja durchdacht. Er selbst ist das Ergebnis eines kreativen Prozesses und beantwortet die Frage, was Kreativität ist, wunderbar. Nicht ohne die andere, die nach dem Warum, schelmisch offen zu lassen. In der Überfülle der prominenten Antworten entsteht ein kleiner Strudel, der bei einem selbst endet: Warum bin ich eigentlich nicht kreativ? Oder vielleicht doch?

Di. 04.12.2018 / 20:00

Pio OmU Cinema Italiano

Ein vielfach ausgezeichnetes Coming-of-Age-Drama aus Italien.

©2018 DCM Film Distribution

Der 14-jährige Pio ist in einer Roma-Familiengemeinschaft aufgewachsen, die mehrere Wohnblocks in einer italienischen Küstenstadt bewohnt. Pios Vater und sein älterer Bruder sitzen im Gefängnis und so hat Pio für seine Mutter und seine kleineren Geschwister zu sorgen. Dass er noch ein Heranwachsender ist, möchte der Junge nicht einsehen. Immer wieder versucht er, als vollwertiger Mann und ernstzunehmender Versorger der Familie anerkannt zu werden. So gut wie jeder hier wird auch er in illegale Tätigkeiten verwickelt. Zwischen pubertärer Entschlossenheit und kindlicher Verzweiflung begibt sich Pio auf den gefährlicheren Weg in Richtung Erwachsenwerden. Und muss bald feststellen, dass der bedingungslose Zusammenhalt der Familie nicht alles ist. Hin- und hergerissen zwischen moralischer Integrität und familiärer Verpflichtung, zwischen weit entfernten Sehnsüchten und harter Realität wird ihm kein Raum gelassen, auch noch Kind zu sein. Mit neorealistischen Anklängen verschafft sich dieser eindrucksvolle Film Zugang zum sogenannten Rand der Gesellschaft, der für seine Bewohner den Mittelpunkt der Welt darstellt: eine Filmdichtung, die sich mit voller Hingabe ihren Figuren verschreibt.

Mo. 10.12.2018 / 20:00

STYX

In der griechischen Mythologie stellt der Fluss Styx die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich Hades dar.

© 2018 Zorro Film

Die 40-jährige Rike ist eine erfolgreiche Notärztin, deren Dienst ihr alles abverlangt. In ihrem seltenen Urlaub möchte sie sich einen lange gehegten Wunsch erfüllen: sie begibt sich alleine mit ihrer Yacht auf einen Törn von Gibraltar nach Ascension  im Südatlantik. Auf der Tour wird sie von einem Containerschiff in ihrer Nähe darüber informiert, dass sie sich auf ihrer Route auf einen starken Sturm mit starkem Regen einstellen muss. Nach dem heftigen nächtlichen Unwetter entdeckt sie in der Nähe ihres Bootes einen havarierten und hoffnungslos überladenen Trawler. Über 100 Menschen sind vom Tod  durch Ertrinken bedroht. Rike versucht das Schiff per Funk zu kontaktieren. Als sie keinerlei Antwort erhält, versucht sie, Rettung zu organisieren. Die alarmierte Küstenwache lässt auf sich warten. Vom Kapitän eines Transportschiffes erhält sie die Mitteilung, dass dessen Reederei jede Beteiligung an der Seenotrettung von Flüchtlingen verboten habe. Die Passagiere des Fischerbootes springen in höchster Not ins Wasser. Einen völlig erschöpften Jungen kann sie mit einem Rettungsring aus dem Wasser ziehen und an Bord nehmen. Als er zu Bewusstsein kommt, drängt er Rike zu einer  weiteren  Rettungsaktion. Sie aktiviert den Notfunk und feuert mehrere Signalraketen ab. Die gnadenlose Überlebensgeschichte zeigt gebündelt das Dilemma der westlichen Gesellschaften. Entstanden ist auf diese Weise nicht nur ein unheimlich authentischer Film sondern auch ein tief aufrichtiger. Es findet sich in STYX kein falscher Ton und keine tröstende Lüge.

So. 16.12.2018 / 20:00

MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM

Die Musical-Tragikomödie: “Und der Haifisch, der hat Zähne“.

© 2018 Wild Bunch

Am  31. August 1928 hat “Die Dreigroschenoper“ ihre Premiere in Berlin. Die Proben am Theater am Schiffbauerdamm verlaufen chaotisch. Doch Brecht bleibt cool. Zu Recht: Das Stück wird zum Sensationserfolg, die Lieder zu Gassenhauern, Filmproduzenten klopfen an. Damit fangen die Probleme aber erst richtig an, denn Bertolt Brecht hat völlig andere Vorstellungen vom Kino, das in seinen Augen nicht einfach nur abgefilmtes Theater sein kann.

„Wir zeigen den Film, der nie gemacht wurde, die Rahmenhandlung ist eine Art Making-of dieses Films und zeigt Brechts Kampf mit der Filmindustrie“, sagt Lang, der Filmregisseur. Er bezieht sich auf den sogenannten Dreigroschenprozess, den der Autor 1930 gegen die Filmproduzenten führte um ein Aufführungsverbot erreichen. Die Premiere des Films im Februar 1931 konnte er trotzdem nicht verhindern. Der Regisseur Joachim A. Lang kennt sich mit der Materie bestens aus. Er hat über Brechts episches Theater promoviert, drehte  eine Doku über ihn (Brecht – Die Kunst zu leben) und war acht Jahre lang künstlerischer Leiter des Brechtfestivals in Augsburg. Ein besonderer Coup ist, dass er den Dichter in seiner eigenen Sprache reden lässt. Gestrig wirkt der Film dadurch nicht, im Gegenteil: Mit seiner offenen Form, der künstlerischen Überhöhung und den aktuellen politischen Bezügen holt Joachim A. Lang die Dreigroschenoper ins 21.Jahrhundert. Unbedingt sehenswert!