Mo. 09.12.2019 / 20:00

HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT

Die Geschichte einer Familie über vier Generationen.

© Stefan Neuberger

Ein Nachdenken über die Zeit und die Liebe in ihr, den Menschen, in Tönen, Bildern und Sprache. Was bleibt? Biografien hinterlassen Spuren. Die Zeitläufe auch. Der Film folgt den biografischen Spuren einer zerrissenen Familie über das ausgehende 19. und das folgende 20. Jahrhundert hinweg. Die Großmutter ist Jüdin, der Großvater Kommunist, beide wurden in der Nazizeit verfolgt. Der Vater Wolfgang Heise war ein Philosophieprofessor in der DDR, der mit dem Nationalpreis geehrt wurde. Es geht um Menschen, die einst zufällig zueinander fanden, dann einander verloren und deren verbliebene Kinder und Enkel jetzt verschwinden. Es geht um Sprechen und Schweigen. Erste Liebe und verschwundenes Glück. Väter, Mütter, Söhne, Brüder, Affären, Verletzung und Glück in wechselnden Landschaften, die verschiedene, einander durchwuchernde Spuren von Zeiten in sich tragen. Es geht um das Verhältnis vom normalen Leben und der Geschichte. Individuum und Geschichte, wie gehen die miteinander um? Oder was löst das eine für das andere aus. Eine spannende Collage aus Bildern, Tönen, Briefen, Tagebüchern, Notizen, Geräuschen, Stimmen, Fragmenten. Immer bleibt ein Rest, der nicht aufgeht.

Di. 10.12.2019 / 20:00

STAN & OLLIE English Cinema OmU

Noch einmal mit Gefühl: Ein wunderbares Biopic über die späten Jahre von Stan Laurel und Oliver Hardy.

© 2019 SquareOne Entertainment capelight pictures

Der Film ist auf mehreren Ebenen großes Schauspielkino. Vom ersten Augenblick an begeistern Steve Coogan und John C. Reilly mit ihrer präzisen und hingebungsvollen Darstellung. Beide profitieren von maskenbildnerischen Meisterleistungen (Stans abstehende Ohren und Ollies Doppelkinn!) und beherrschen die physischen Tricks und Rituale der Vorbilder absolut perfekt. Noch wichtiger als die äußerliche Anverwandlung aber ist die Chemie der beiden. Mit großer Nonchalance entwerfen Coogan und Reilly die manchmal diffizile, manchmal heikle, aber immer zutiefst vertraute Beziehung von Laurel und Hardy, ein Verhältnis, das zwischen Kollegialität, Sachlichkeit und Freundschaft oszilliert. Nicht nur deshalb ist die Atmosphäre des schönen Films auch zutiefst melancholisch. Es geht ums Altern, um den Verlust von Relevanz und Prominenz, um die leise Verzweiflung, die den Schauspieler packt, wenn er nicht mehr schauspielern darf. DER SPIEGEL nannte den Film ein „wunderbares Biopic, das sehr oft Form und Inhalt zur Deckung bringt. Die beiden Hauptdarsteller spielen das Komikerduo derart intensiv, dass sich ihre Leistung in das Gegenteil von Großschauspielerei verkehrt: Sie zeigen nicht ihre eigen Kunst, sondern die von Laurel und Hardy.“ Sagen wir doch einfach mal: ein toller Film für die ganze Familie.

Mo. 16.12.2019 / 20:00

DANCING BEETHOVEN

Ein Filmbeitrag zum Hauskonzertprojekt “Beethoven bei uns“.

© 2017 LATIDO FILMS™

Die utopische Idee hinter Beethovens Neunter Sinfonie tritt besonders deutlich hervor, wenn ab dem vierten Satz ein Chor Schillers Gedicht „An die Freude“ anstimmt: „Freude, schöner Götterfunken… Seid umschlungen Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt!“ Der französische Tänzer und Choreograph Maurice Bejart (1927-2007) adaptierte Beethovens wohl berühmteste Sinfonie als aufwendige Ballettfassung, die 2014 in Tokio aufgeführt wurde. Als Leitmotiv umtanzen die Akteure aus Asien, Europa und Afrika einen großen Kreis auf der Bühne, der den Kreislauf des Lebens symbolisiert. Passend zur Botschaft kollaborierten Künstlern aus allen Teilen der Welt die Tänzer kommen vom Béjart-Ballett in Lausanne und vom Ballett aus Tokio. Die Musik stimmt das Israelische Philharmonieorchester unter der Leitung von Zubin Mehta an. Die 9-monatigen Proben in Lausanne, Tokio und am Genfer See begleitete Arantxa Aguirre im Wechsel der Jahreszeiten. Konzentrierte Beobachtungen der Proben und Interviews mit Tänzern, Choreographen und Kulturjournalisten zeichnen „Dancing Beethoven“ als kompetent erzählte dokumentarische Langzeitbeobachtung aus. Ein Weihnachtsgeschenk an die Freunde des FILMFORUMS.