Mo. 21.10.2019 / 20:00

NUREJEW – THE WHITE CROW

Der Film basiert auf dem Buch „Rudolf Nurejew: The Life“ von Julie Kavanagh.

© 2019 Alamode Film

Er spielt im Kalten Krieg der 1960er Jahre, als die Sowjets beschlossen hatten, das Kirov-Ballett mit seinem Star Rudolf Nurejew zu einem Gastspiel nach Paris zu schicken. Die Premiere findet am Palais Garnier statt, aufgeführt wird “La Bayadére“. Nurejew tanzt die Rolle des Solor, sein Auftritt wird ein Riesenerfolg und macht ihn mit einem Schlag im Westen berühmt. Mit seinem ungestümen Temperament gelingt es ihm immer wieder, sich seinen Bewachern zu entziehen. Mit Hilfe des Sohnes des französischen Kulturministers André Malraux gelingt Nurejew schließlich auf dem Pariser Flughafen Le Bourget der Absprung in den Westen.

Di. 22.10.2019 / 20:00

LORO – DIE VERFÜHRTEN Cinema Italiano OmU

Der Versuch einer Abrechnung mit Italiens Korruptionskomplikationen unter Silvio Berlusconi.

© 2018 DCM

Abgründig porträtiert die Politfilm-Ikone Paolo Sorrentino nun diesen polarisierenden Polit-Proleten. Der Titel „Loro“ heißt übersetzt „Sie“ und meint jenen opportunistischen Rektal-Hofstaat Berlusconis, der ihn umschleimt, umwirbt und ihn immer wiederwählt. Macht korrumpiert, am meisten sich selbst. Wir betrachten mit voyeuristischem Staunen auf amüsant satirische Manier, wie Bella Italia formvollendet fehlfunktioniert und zum Scheitern verurteilt bleibt, wie die aktuelle Lage der Nation beweist.

Mo. 28.10.2019 / 20:00

DR. SELTSAM ODER: WIE ICH LERNTE, DIE BOMBE ZU LIEBEN

Einer der radikalsten, bittersten und treffsichersten Filme zum Thema Krieg.

©1964 Sony Pictures

Der geistesgestörte US-General Jack D. Ripper verschanzt sich in seinem Luftwaffenstützpunkt und setzt die atomare Vernichtungsmaschinerie gegen Sowjetrussland in Gang. Der Präsident der USA ist vollkommen hilflos, der sowjetische Parteichef am anderen Ende des “heißen Drahts“ wirkt leicht alkoholisiert. Die “Falken“ im Krisenstab des Weißen Hauses sehen dem Ernstfall eher gelassen entgegen. Als General Ripper sich in einem Anfall von Schwermut das Leben nimmt und das Codewort zum Rückruf der Bomber endlich gefunden wird, ist es zu spät. Während der nukleare Gegenschlag anrollt, erscheint Dr. Seltsam aus der Versenkung: ein deutscher Wissenschaftler, der dem Pentagon seine makabren Überlebens- und Herrenmensch-Theorien darlegt, wobei sich sein Arm immer wieder zwanghaft zum Hitlergruß streckt. Stanley Kubricks böse Atomkriegs-Satire zeigt die militärischen und politischen Umtriebe konsequent als Pandämonium des Irrsinns. Die groteske Stilisierung der Figuren und Schauplätze entlarvt das “Gleichgewicht des Schreckens“ als labiles Konstrukt, das jederzeit durch banale Zufälle und menschliche Schwächen zum Alptraum werden kann.

Do. 31.10.2019 / 20:00

THE DEAD DON´T DIE

Ein Geschenk von Jim Jarmusch zu „Halloween“ und als derbe Kritik an Trump-Amerika.

© C2019 Universal Picture international germany GmbH

In der kleinen Gemeinde Centerville ist plötzlich alles anders: Uhren bleiben stehen, Mobiltelefone funktionieren nicht mehr, Sonnenauf- und untergang verschieben sich, vor allem aber erwachen die Toten zum Leben. „Das wird nicht gut enden“ sagt Polizist Ronnie  und wird schon bald mit seiner Prognose Recht behalten. Sein Vorgesetzter, Polizeichef Cliff Robertson, ist anfangs irritiert, akzeptiert jedoch schnell die Schicksals-Prognose. Doch der Regisseur Jim Jarmusch bedient die Klischees und Erwartungen des Genres nicht einfach, sondern stellt sie betont offensiv aus. Seine Gesellschaftskritik, sein Bloßstellen einer Kultur, die sich allzu oft in oberflächlicher Zitatenspielerei, Likes und Herzchen ergeht und definiert, ist so unsubtil, dass sie kaum ernst zu nehmen ist. Und das ist vielleicht der Punkt eines Films, der zu klug ist, um zu glauben, dass sich durch ihn etwas an den Zuständen ändern könnte. Aktivismus überlässt Jarmusch lieber anderen. Er und sein illustrer Cast haben lieber 100 Minuten Spaß an grotesken Absurditäten, am Spiel mit Genremustern. Wenn die Welt schon verkommt, sollte man zumindest nicht seinen Humor verlieren.