So. 23.02.2020 / 11:00

CRESCENDO #MAKEMUSICNOTWAR

Hat Musik die Kraft, Ignoranz und Vorurteile zwischen jungen Menschen verschiedenster Religionen und Nationalitäten zu überbrücken?

© 2019 Camino Filmverleih GmbH

Eduard Sporck ist ein berühmter Dirigent, der an einer Frankfurter Hochschule unterrichtet. Er soll ein Konzert vorbereiten, welches junge Musiker sowohl aus Palästina als auch Israel zusammen bringt. Das Konzert soll aktuelle Friedensverhandlungen zwischen beiden Ländern begleiten und ein Zeichen gegen den Hass setzen, der schon so lange vorherrscht. Eduard zweifelt. Nicht nur, weil er weiß, dass es nicht einfach sein wird, beide Seiten zusammenbringen. Sondern auch, weil er eine schwierige Geschichte in sich trägt. Und doch spürt er, dass es die Musik ist, die sich gegen alle Grenzen stellt. „Crescendo # makemusicnotwar“ ist ein Film über die Kraft der Musik, die Menschen miteinander verbinden kann. Die Last der Geschichte, die sowohl Jugendliche aus Palästina als auch aus Israel immer mit sich tragen, stellt der Film in vielen Gruppendiskussionen dar. Hierbei werden alle Seiten, alle Meinungen gehört, doch es wird auch in Frage gestellt, ob ein Projekt wie ein gemeinsames Konzert überhaupt Probleme einer solchen Tragweite lösen kann. Eduard Sporck ist die richtige Autoritätsperson, die durch eine eigene berührende Geschichte den jungen Menschen den Weg weisen kann, um sich einer friedlichen Zukunft zu öffnen. Die wunderschöne gemeinsam erarbeitete Musik setzt den Rahmen der Geschichte: als Zuschauer wird man zu einem Teil der Gruppe, die miteinander diskutiert, musiziert und lacht.

So. 23.02.2020 / 20:00

SYSTEMSPRENGER

Einfühlsames und genau recherchiertes Szenario über unser pädagogisches System.

Helena Zengel (Benni) © 2019 Port au Prince

Das Sozialdrama stellt ein 9-jähriges Mädchen in den Mittelpunkt, das als titelgebender Systemsprenger einen Leidensweg zwischen Pflegefamilien, Aufenthalten in der Psychiatrie und Heimen und erfolglosen Teilnahmen an Anti-Aggressions-Trainings durchläuft. Bernadette, genannt Benni, gilt als aggressiv und unberechenbar. Niemand, außer ihrer Mutter, darf ihr Gesicht berühren, da sie sonst um sich schlägt. Eine Folge eines Traumas in der Kindheit, in der ihr, laut Aussage der Sozialarbeiterin, Windeln ins Gesicht gedrückt wurden. Das animiert andere Kinder, sie damit zu provozieren und damit einen Wutanfall auszulösen. Von der Sonderschule wird sie dauerhaft suspendiert und auch in keiner Pflegefamilie oder Wohngruppe wird sie lange ausgehalten. Als sogenannter „Systemsprenger“ droht sie durch alle Raster der deutschen Kinder- und Jugendhilfe zu fallen. Dabei sehnt sich Benni danach, wieder mit ihrer Mutter zusammen zu leben. Die ist aber völlig überfordert und hat Angst vor ihrer eigenen Tochter „Systemsprenger“ erlebte seine Uraufführung 2019 im Wettbewerb der 69. Berlinale und erhielt seitdem zahlreiche internationale Auszeichnungen.

Mo. 24.02.2020 / 20:00

BUT BEAUTIFUL

Eine bessere Zukunft durch menschliche Zuwendung und Abwendung vom Materiellen.

© 2019 Pandora

Nach seinen streitbaren wie essentiellen Filmen “We Feed The World“, “Let‘s Make Money“ und “Alphabet“, in denen es um menschliche Haltungen hinter Lebensmittel-Industrien, Finanzsystemen und Bildungsthemen ging, widmet sich der renommierte und vielfach ausgezeichnete österreichische Filmemacher Erwin Wagenhofer dem Positiven. Im Mittelpunkt stehen nicht länger das Nicht-Funktionieren und fatale gesellschaftliche Entwicklungen in der Welt. Für „But Beautiful“ fand er in einem langjährigen Prozess Menschen und Geschichten, die von gelebten Alternativen hin zum Schönen und Guten künden. Entstanden ist ein Film als Hommage an die Lebendigkeit. Eine poetische Komposition faszinierender Bilder, Texte und Klänge, die etwas auszulösen vermögen. Es ist ein Film über Perspektiven ohne Angst, über Verbundenheit mit Musik, Natur und Gesellschaft, über Menschen mit unterschiedlichen Ideen aber einem großen gemeinsamen Ziel: eine zukunftsfähige Welt.

Mo. 02.03.2020 / 20:00

ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL

Judith Kerrs bekannter Roman liefert die perfekte Vorlage für einen einfühlsamen Familienfilm.

© 2019 Frédéric Batier Sommerhaus Warner

Das 1971 erschienene Buch schildert die Vertreibung der jüdischen Familie Kerr – Vater Alfred ein berühmter Theaterkritiker, Mutter Dorothea eine bekannte Pianistin – aus Deutschland, nur wenige Wochen vor der Machtergreifung Hitlers 1933. Ihre beiden Kinder Anna und Max sind neun und dreizehn Jahre alt. Die begüterte Familie lebt in Berlin und wird durch einen Verehrer Alfreds scharfzüngiger Kritiken, die regelmäßig im Radio und der Presse die Theaterlandschaft Berlins sezieren, gewarnt. Die Eltern beschließen, Deutschland zu verlassen und mit ihren Kindern Anna und Max in die Schweiz zu emigrieren, der Beginn einer europäischen Odyssee: Anna muss alles zurücklassen, auch ihr geliebtes rosa Stoffkaninchen, und sich in der Fremde einem neuen Leben voller Herausforderungen und Entbehrungen stellen. Der Film endet mit dem Umzug der exilierten Familie von Paris nach London im Herbst 1935. Er zeigt keine optimistische Geschichte über Flucht, wohl aber eine darüber, seinen Lebensmut niemals zu verlieren. Caroline Link beweist erneut ihr besonderes Gespür im Casting und in der Schauspielführung von Kindern. Riva Krymalowski spielt die Rolle der Anna mit einer Mischung aus Neugier, Frechheit, Witz und Zerbrechlichkeit, womit sie genau zu der starken Persönlichkeit wird, die diese Geschichte tragen kann.

Di. 03.03.2020 / 20:00

ANGELS´ SHARE English Cinema OmU

Hilfe aus dem Himmel – „Ein Schluck für die Engel“.

Ken Loach, der große Arbeiterführer des britischen Kinos, hat seinen bisher leichtesten,  vergnüglichsten und hoffnungsvollsten Film gedreht. Und das, obwohl seine Protagonisten Robbie, Albert, Rhino und Mo ziemlich authentische Verlierer des Kapitalismus sind: um die Zwanzig, keiner von ihnen hatte je einen richtigen Job noch eine Ausbildung, ein richtiges Zuhause haben sie auch nicht. Die vier lernen sich in Glasgow vor Gericht kennen. Albert wird dort wegen besoffenen Torkelns auf Gleisen angeklagt, Rhino hat ein Problem mit Statuen, Robbie gerät immer wieder in tätliche Auseinandersetzungen und Mo Klaut alles, was sie in die Finger kriegt. Alle werden zu gemeinnütziger Arbeit verdonnert, ein echter Glücksfall, denn betreut werden sie von Harry, einem Sozialarbeiter, der seinen Job richtig ernst meint. Er lädt die Gruppe zu einem Ausflug zu einer Whisky-Destillerie ein. Robbie und seine Weggefährten erhalten dadurch einen Einblick in die Welt der schottischen Single Malt Whiskeys. Bei einem Whiskey-Tasting in Edinburgh beweist Robbie besonders erstaunliche Fähigkeiten bei der Verkostung des edlen Getränks und erregt damit die Aufmerksamkeit eines berühmten Whiskey-Sammlers. Von ihm erfahren Robbie und seine Freunde, dass in einer Destillerie in den Highlands kurze Zeit später ein Fass versteigert, das den teuersten Whiskey der Welt enthält. Daraufhin reift in Robbie der Plan, sich einen Teil des sündhaft teuren Whiskeys abzuzweigen, um sich damit eine sorgenfreie Zukunft zu ermöglichen.…

Mo. 09.03.2020 / 20:00

DIE SEHNSUCHT DER SCHWESTERN GUSMÃO

In diesem Film ist alles üppig, schön, schillernd. Und – märchenhaft grausam.

© 2019 Piffl Medien

Eine höchst gefühlvoll erzählte Geschichte, in die man sich hineinfallen lassen kann, auch wenn immer wieder die Wut hochkommen kann bei der Betrachtung eines bürgerlichen Familienlebens in Rio de Janeiro, das ab 1951 seinen Lauf nimmt. In diesem Melodram porträtiert der brasilianisch-algerische Regisseur Karim Aïnouz nicht nur die steinigen Lebenswege zweier Schwestern, die durch das Zutun des unversöhnlichen Vaters auseinander gerissen werden, sondern zugleich die konservative brasilianische  Gesellschaft der 1950er Jahre. Der feinfühlige und in jeder Hinsicht intensive Film nach dem Roman “Die vielen Talente der Schwestern Gusmão“ von Martha Batalha erhielt beim Filmfestival in Cannes den Hauptpreis der Sektion “Un Certain Regard“.Ja, ein Film der großen Gefühle, der aber bei aller Opulenz nie die zentralen Charaktere und deren individuelle Einengung aus den Augen verliert. Ein starkes Stück Kino!

Mo. 16.03.2020 / 20:00

BIS DANN, MEIN SOHN

Eine humanistische Fabel und ein Gesellschaftsporträt Chinas, komprimiert im tragischen Schicksal zweier Familien.

© 2019 Piffl Medien

Die Stadt Hou Wan, Provinz Fujian, in der Gegenwart: Das aus dem Norden Chinas stammende Ehepaar Liu Yaojun und Wang Liyun betreibt im Süden des Landes ein Reparaturgeschäft für Boote. In nicht chronologischen Rückblenden wird von ihrem Leben  und dem einer befreundeten Familie in den drei zurückliegenden Jahrzehnten berichtet. Zu Beginn der 1980er-Jahre sind Yaojun und Liyun verheiratet und Eltern eines Sohnes, Liu Xing, den sie liebevoll „Xingxing“ rufen. Sie arbeiten in der örtlichen Fabrik und leben in einem Arbeiterwohnheim. Ebenfalls in der Fabrik arbeitet Yaojuns Schwester Li Haiyan, die mit ihrem Ehemann Zhang Xinjian ebenfalls einen Sohn, Shen Hao, genannt „Haohao“ haben. Beide Kinder sind am selben Tag zur Welt gekommen. Vor dem Hintergrund der Ein-Kind-Politik bemerkt Liyun eines Tages, dass sie wieder schwanger ist. Der Möglichkeit, das Kind heimlich auf die Welt zu bringen, steht Haiyan entgegen, die als Direktorin für Familienplanung im Betrieb tätig ist. Auf ihren Befehl hin wird bei Liyun eine Abtreibung vorgenommen. Bei dem Eingriff kommt es zu Komplikationen und Liyun wird unfruchtbar. Im Laufe der Zeit kommt es zu weiteren, das gemeinsame Leben stark beeinträchtigenden Schicksalsschlägen. „Bis dann, mein Sohn“ balanciert fast 3 Stunden lang souverän durch die verschiedenen Zeitebenen und dabei  auf beeindruckende Weise zusammengehalten durch die überzeugende Leistung der Darsteller und die formale Kraft. Der Film porträtiert auch die Kontingenz der politischen Umstände in Verquickung mit den Zufällen des Schicksals auf einzigartige Weise.

So. 22.03.2020 / 11:00

DAS GEHEIME LEBEN DER BÄUME

Der Wald ist seit Jahrhunderten ein deutscher Sehnsuchtsort.

© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Peter Wohllebens Bestseller zeigte, wie sich ein Massenpublikum von einem Buch zum Thema Baum begeistern lässt. Ihn nun auf der großen Leinwand zu erleben eröffnet einen weiteren, faszinierenden Zugang, um den Wald neu zu entdecken. Regisseur Jörg Adolph entführt den Zuschauer mit spektakulären Naturfilm-Sequenzen in die Welt des engagierten Oberförsters aus der Eifel. Im Duktus des Märchens entwirft der humorvolle „Baumflüsterer“ das Bild eines bestens durchorganisierten sozialen Systems, in dem zwar einerseits das Bild des Stärkeren gilt, andererseits aber der Schwächere niemals allein gelassen, sondern aufgefangen und mitgetragen wird. „Bäume sind keine Holzproduktionsmaschinen“, so das Credo des Waldhüters. „Es handelt sich um fühlende Wesen.“ In Waldführungen und Lesungen bringt er den Menschen diese außergewöhnlichen Lebewesen näher. Denn was wir heute Wald nennen, ist in seinen Augen längst nur noch eine grüne Kulisse der Holzwirtschaft. Beharrlich kämpft der Walddolmetscher und große Kommunikator für die Rückkehr des Buchen-Urwalds ohne schnell wachsende Fichtenplantagen. Nicht der Profit hat Priorität, sondern die Gesundheit der Natur. Und damit auch die der Menschen.

So. 22.03.2020 / 20:00

INTRIGE (J‘ACCUSE)

Ein beeindruckend präzise inszeniertes, packendes Historiendrama um die Dreyfus-Affäre.

© 2020 Guy Ferrandis

Der junge, vielversprechende Offizier der französischen Armee, Alfred Dreyfus, wird am 5. Januar 1895 wegen angeblicher Spionage für Deutschland zu lebenslanger Haft auf der Teufelsinsel im Atlantik vor Französisch-Guayana verurteilt. Zu den Zeugen seiner öffentlichen Verurteilung und Demütigung gehörte Marie-Georges Picquart, der zuvor zum  Leiter der militärischen Spionageabwehreinheit befördert wurde – jener Behörde, die Dreyfus überführt hat. Als Picquard feststellt, dass nach der Festsetzung von Dreyfus noch  weiter Geheimnisse an die Deutschen verraten werden, wird er auf ein von Antisemitismus durchzogenes System aus Betrug und Korruption aufmerksam. Er stellt sich gegen Befehle und sagt als Zeuge zu Gunsten von Dreyfus aus, um dessen Namen reinzuwaschen.

Im August 2019 feierte der Film seine Premiere im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig und gewann den Großen Preis der Jury. Der von Polanski thematisierte Antisemitismus im Europa der Jahrhundertwende und der Bezug zur Gegenwart wurde in den Beiträgen der meisten Kritiker angesprochen. Die Erinnerung an diesen Fall von staatlich sanktioniertem Antisemitismus wirke wie ein Mahnruf aus der Geschichte.

Mo. 23.03.2020 / 20:00

MILES DAVIS: BIRTH OF THE COOL OmU

Er gilt als einer der wichtigsten und einflussreichsten Jazzmusiker des 20. Jahrhunderts.

© 2019 Piece of Magic Entertainment

Wie seine Versuche, die Grenzen des Jazz zu überwinden, spätere Generationen beeinflusste, ist einer der vielen Aspekte von Stanley Nelsons im Ansatz zwar klassischer, durch das zusammengetragene Material aber dennoch herausragender Dokumentation. Fast hätte Miles Davis die Violine gespielt. Seine Mutter wollte dem 13jährigen dieses klassische Instrument schenken, doch der Vater bestand auf einer neuen Trompete und der Rest ist Geschichte. Diese Episode ist eine von vielen, die das zwar nicht lange – Miles Davis starb mit nur 65 Jahren – aber enorm abwechslungsreiche, vielfältige, von Erfolgen und Krisen geprägte Leben des Musikers säumte. Als 18jähriger stand er bereits mit dem legendären Charlie Parker auf der Bühne, nahm danach die Songs auf, die später  als „Birth of the Cool“ veröffentlicht wurden und nicht nur den so genannten Cool Jazz begründeten, sondern auch ihn selbst als den Coolsten seiner Ära etablierten. Er wurde vor allem im Ausland als Mensch und nicht als Schwarzer wahrgenommen, in Paris etwa, wo er mit den Existenzialisten um Jean-Paul Sartre verkehrte und eine Liaison mit Juliette Gréco begann. Unvermeidlicherweise rasant bewegt sich Stanley Nelson durch das bewegte Leben von Miles Davis: seine legendären Konzerte, seine Wutausbrüche, ebenso viele Frauen wie Drogen, seine schweren Depressionen und die großen Einflüsse auf den Free-Jazz. Wegbereiter wie Herbie Hancock oder Quincy Jones, zeitgenössische Musiker wie Santana oder Flea kommen zu Wort. Dazu hat er viel, auch unbekanntes Archivmaterial zusammengetragen und zu einer mitreißenden Collage zusammengefügt.