Mo. 18.02.2019 / 20:00

WACKERSDORF

In dem filmischen Denkmal konzentriert sich alles auf die politischen Aspekte.

© 2018 Alamode Film

Heutzutage weiß man nur zu gut um die Risiken, die der Bau einer Wiederaufbereitungsanlage von Kernbrennstoffen mit sich bringt. 1985 befand man sich dagegen noch kurz vor dem ersten großen Super-Gau in der Menschheitsgeschichte und hatte die möglichen Folgen eines Atomunglücks massiv unterschätzt. Die bayerische Gemeinde Wackersdorf wurde in genau dieser Zeit zum Sinnbild aufkeimender Beunruhigung, als sich eine ganze Dorfgemeinschaft gegen den Bau eines solchen Betriebsgeländes engagierte und sich nicht zuletzt aufgrund der Tschernobyl-Katastrophe ein Jahr nach Baubeginn gegen die Pläne durchsetzen konnte…

Der Film steht am Anfang einer Woche, die ganz den Brüdern Achern und ihren musikalischen Projekten gewidmet ist. Neben einer der erfolgreichsten Indiebands Deutschlands “The Notwist” pflegen sie zahlreiche Nebenprojekte, u.a. auch “Die Hochzeitskapelle”, die für den Soundrack zu Wackersdorf verantwortlich ist. Und samstags darauf auch live der Abschluss der “Notwist Days” sein werden.

Di. 19.02.2019 / 20:00

On/Off the Record – THE NOTWIST

Ein Dokumentarfilm mit "The Notwist" über die Arbeiten an „Neon Golden“, ihrer fünften Studioproduktion.

Ein spannender, interessanter und nicht unamüsanter Einblick in die eigenwillige Arbeitsweise der Acher Brüder. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten hat der Dokumentarfilmer Jörg Adolph die Band The Notwist beobachtend begleitet. Sein Film zeigt die vertrauliche Situation der Studioarbeit (“off the record”), in deren Verlauf komponiert, eingespielt, gehört, bearbeitet, diskutiert, verworfen, ausprobiert und wieder gehört wird. Durch vielschichtige Arrangements werden die Songs bis zum fertigen Album (“on the record”) in immer neue Richtungen “geschraubt”. So entsteht abseits von Mainstream und Starallüren eine Musik, die man als “Pop mit Widerhaken” bezeichnen kann. Der Film zeigt wie Marktmechanismen der Musikindustrie bewusst gegen den Strich gebürstet werden, denn das künstlerische Schaffen steht im Mittelpunkt. Das eigene Tempo bestimmt den Kreativprozess. Ein Lehrstück über die Wichtigkeit der Individualität in der Kunst. “Neon Golden” verkaufte sich trotzdem hervorragend und gilt heute als eines der wichtigsten Alben des Indierocks überhaupt. Der “Zündfunk” wählte es gar zum Album des Jahrzehnts!

Mo. 25.02.2019 / 20:00

SUSPIRIA

Hexensabbat: In der Neubearbeitung des Klassikers geraten die Tanzaufführungen zu einem psychedelischen Strudel.

„Wenn man den Tanz eines anderen tanzt, dann macht man sich zum Abbild des Schöpfers“, stellt die Tanzlehrerin Madame Blanc fest und will das neue Ensemblemitglied damit auf ihre erste Hauptrolle vorbereiten. Susie ist aus Ohio ins geteilte Berlin gekommen, um sich in der renommierten Tanzschule ausbilden zu lassen, an der die berühmte Madame Blanc unterrichtet. Doch sie merkt bald, dass hier etwas nicht stimmt. Ihre spurlos verschwundene Vorgängerin, Albträume und Gerüchte von Hexentreibern machen sie gleichermaßen misstrauisch und neugierig. Nach seiner großartigen und oscarprämierten Romanadaption von „Call Me By Your Name“ hat sich der italienische Regisseur Luca Guadagnino an eine Neuinterpretation des Klassikers „Suspiria“ von Dario Argento gewagt, die Argentos orgiastische Traumlogik und Splatterästhetik bei weitem übersteigt. Er siedelt seinen Film im Deutschen Herbst 1977 an – die Nachrichten berichten von der Entführung Martin Schleyers, der Entführung des Lufthansaflugzeugs „Landshut“ und den Selbstmorden der RAF-Mitglieder in Stammheim. Die Tanzschule steht direkt an der Berliner Mauer. Ein Hexenzirkel leitet die Schule. Guadignino  setzt damit konträre Ideologien und Gesellschaftssysteme miteinander in Spannung und beobachtet die Reibungsflächen. Der sphärische Soundtrack von Radiohead-Frontmann Thom Yorke lässt Psychoanalyse, okkulte Rituale und Tanzperformances zu einem psychedelischen Strudel ineinanderfließen. Man könnte dem Regisseur eine intellektuelle Kopfgeburt vorwerfen, doch verwebt er seinen Überbau geschickt mit den beinahe akrobatischen Körperhorrorszenen, die sich in ihrer nervenzerrenden Langsamkeit tief ins Unterbewusste  brennen.

Di. 26.02.2019 / 20:00

LE SENS DE LA FÊTE – DAS LEBEN IST EIN FEST / Cinéma Français OmU

Der neueste Geniestreich des Erfolgsteams von „Ziemlich beste Freunde“ mit einer ungewöhnlichen Komödie über ein seltsames Hochzeitsfest.

© 2018 Universumfilm

In dieser facettenreichen Komödie wird, von einem Tag zum nächsten, der Ablauf eines glamourösen Hochzeitsfestes in einem Schloss geschildert – jedoch aus Sicht der Heinzelmännchen hinter den Kulissen, des Chefs einer auf Hochzeitsevents spezialisierten Firma. Bandleader James, der sich als cooler Rocker sieht, muss freundliche Senioren und ihre Wünsche nach Schlager-Schnulzen abwimmeln. Der schmierige Hochzeitsfotograf Guy ärgert sich über die zahlreichen Handy-Fotografen. Und der neurotische Literaturlehrer Julien erkennt in der Braut seinen früheren Schwarm. Es ist ein Ensemblefilm in dem die Macken der einzelnen Charaktere nie an schrillen Klamauk verraten werden. Das Fest wird zur Lebensmetapher, zum Hohelied auf die unermüdlichen Wurstler, hin- und hergerissen zwischen Plan und kreativer Abweichung, deren Selbstbild fortwährend von der Realität korrigiert wird. Mit dieser feingetakteten Mischung aus Poesie und Komik, Sarkasmus und Herz, ist dem Regieduo abermals eine tolle Komödie gelungen.