So. 17.11.2019 / 11:00

M.C. ESCHER – DIE REISE IN DIE UNENDLICHKEIT

Ein spannender Trip in faszinierend geheimnisvolle Bilderwelten.

© 2018 Robin Lutz AV productions

„Ich denke, es gibt nur eine Person, die einen guten Film über meine Arbeit machen kann: ich selbst“, schrieb Maurits Cornelis Escher an einen amerikanischen Sammler im Jahr 1969. Die Warnung des genialen Künstlers macht der preisgekrönte Doku-Filmer Robin Lutz zum Konzept und lässt in seinem Biopic das Leben der Kunst-Ikone mit dessen eigenen Worten erklären: Briefe und Notizen schildern aus erster Hand, wie der Maestro tickte. Woher er die Ideen nahm. Wie er scheiterte und triumphierte.

So. 17.11.2019 / 20:00

DER PIANIST

Kultur wider das Vergessen. In Zusammenarbeit mit der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jhd. e.V.

© 2002 Bac Films

Der Film von Roman Polanski ist eine fast unfassbar authentische Wiedergabe des Alltags im Warschauer Getto. Adrian Brody spielt den gedemütigten Künstler, den gequälten und drangsalierten Juden mit äußerster Intensität. Der Film wurde weltweit mit diversen Film-preisen ausgezeichnet, unter anderem mit drei Oscars in den Kategorien „Beste Regie“, „Bester Hauptdarsteller“, sowie „Bestes Drehbuch“.

Mo. 18.11.2019 / 20:00

EFFI BRIEST

Ein großer Film zum Fontane-Jahr. Theodor Fontane wurde 1819 in Neuruppin geboren.

© Filmverlag der Autoren

Der Film aus dem Jahr 1974 von Rainer Werner Fassbinder hat den vollständigen Titel: “Fontane Effi Briest oder Viele, die eine Ahnung haben von ihren Möglichkeiten und ihren Bedürfnissen und trotzdem das herrschende System in ihrem Kopf akzeptieren durch ihre Taten und es somit festigen und durchaus bestätigen.“ Theodor Fontanes Roman vom Scheitern einer Ehe in einem beklemmenden Geflecht gesellschaftlicher Zwänge in einer äußerst subtil inszenierten und stilistisch geschlossenen Verfilmung. Fassbinder reflektiert dabei nicht nur die gesellschaftliche Situation seiner Figuren, sondern letztlich auch die des Künstlers, der sie beschreibt: Nicht nur Literaturverfilmung, sondern ein Film als Lektüre – man sieht und hört und liest einen Roman. Unbedingt (wieder?) sehenswert!

Mo. 25.11.2019 / 20:00

PARASITE

Der Film erhielt 2019 als erster südkoreanischer Film in Cannes die Goldene Palme.

© 2019 Koch Films

Es ist einfach, mit dem Finger auf die einen zu zeigen, egal, ob es die Reichen oder die Armen sind. Dass es auch anders geht – nämlich in jeder Figur Würde und Menschlichkeit zu finden, zeigt dieser Film: Im Untergeschoss eines völlig heruntergekommenen Hauses leben die Kims in größter Armut. Die Aussichten sind trostlos für die ganze Familie. Zwar ist der Zusammenhalt untereinander groß, aber die Arbeitslosigkeit liegt wie ein großer Schatten über ihnen. Vater Kim Gi-taek, seine Frau Chung-sook und die inzwischen erwachsenen Kinder Ki-woo und Ki-yung machen jeden Aushilfsjob den sie kriegen können. Der Sohn Ki-woo hat eine Idee, wie er an Geld kommen könnte. Er fälscht seinen Lebenslauf, um einen Job als Nachhilfelehrer in einer gutsituierten Familie zu bekommen. Er wird bei der Familie Park eingestellt. Aber es verläuft alles anders als geplant…

So. 01.12.2019 / 11:00

DAS INNERE LEUCHTEN

Ein feinsinniges Filmwerk widmet sich dem Alltag von Menschen mit Demenz.

© 2019 AMA FILM GmbH

Sie gilt als eine der häufigsten Krankheiten im Alter und ihre Diagnose ist für die Betroffenen und Angehörigen stets ein schwer zu verkraftender Schock: die Demenz. Die Krankheit sorgt für einen allmählichen sowie immer weiter voranschreitenden Verlust der geistigen Fähigkeiten und kann den Alltag massiv beeinträchtigen. Eine der größten Herausforderungen dabei – die uneingeschränkte Akzeptanz der Demenz mit all ihren Auswirkungen. „Das innere Leuchten“ ist der filmische Versuch, sich in das Innerste, also die subjektive Lebenswirklichkeit von Demenzkranken, hineinzuversetzen. Ein Unterfangen, das schwierig umsetzbar klingt und zunächst herausfordernd anmutet, dem Filmemacher Stefan Sick aber dank einer feinfühligen Umsetzung und geduldigen Herangehensweise sehr gut gelingt. Sick nimmt sich dabei außerordentlich viel Zeit für die Beobachtung der Patienten, ohne das Geschehen zu kommentieren. Oft minutenlang, ohne Schnitt und in nur einer Einstellung ist die Kamera auf die Personen gerichtet, die an dieser nach wie vor unheilbaren Krankheit leiden. Wir sehen Menschen, die ganz in ihrer eigenen Welt zu leben scheinen. Durch das behutsam Beobachtende und Dokumentierende werden die Erkrankten sowie ihre komplexen, mannigfaltigen Gemütslagen für den Zuschauer erfahrbar.

So. 01.12.2019 / 20:00

DER DISTELFINK

Das Gemälde „Der Distelfink“ als Symbolbild eines anderen, wohl besseren Lebens.

© 2018 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND AMAZON CONTENT SERVICES LLC

Ein mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneter Roman verdient auch eine Verfilmung, die der Essenz des Werks nicht nur gerecht wird, sondern die Stärken des Mediums zu nutzen weiß. Wo Donna Tartts Roman „The Goldfinch“ Bilder vor dem geistigen Auge des Zuschauers entstehen lässt, schwelgt John Crowleys Film in magisch-schönen Bildern, die von Meister-Kameramann Roger Deakins, der häufig mit Sam Mendes, den Coen-Brüdern und Denis Villleneuve gearbeitet hat, prachtvoll umgesetzt wurden. Jedes Bild ist wie ein Gemälde komponiert und trägt die Geschichte eines jungen Mannes, der als Kind seine Mutter durch einen Bombenanschlag verliert und dessen Lebensweg aus der Bahn geworfen wird. John Crowley ist ein Film geglückt, der aufs Herz abzielt, der von einem Leben erzählt, das nicht das ist, was es hätte sein können, das aber auch Momente hat, die das Leben definieren. Die mit purer Emotion aufgeladen sind, die trauern, aber auch lachen, bangen, aber auch hoffen lassen, die in ihrer Wirkkraft mächtig und doch flüchtig zugleich sind. Sie sind das Destillat dessen, was ein Leben sein kann, vielleicht auch sein muss. Am Ende steht ein Film, den man nicht so schnell vergisst.

Mo. 02.12.2019 / 20:00

JOKER

Der Film wurde im August 2019 in Venedig als Bester Film mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

© Copyright 2019 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. TM & © DC Comics Niko Tavernise

„Joker“ ist tatsächlich auf allen Ebenen ein Meisterwerk: Die Story als Prequel angelegt, das Art-Design beeinflusst vom New York der siebziger Jahre, ein origineller Soundtrack und bewegende Tanz-Choreographien werden noch getoppt von der sensationellen schauspielerischen Leistung von Joaquin Phoenix, in der er der Nemesis von Batman ein Gesicht gibt, das hinter der Clownsmaske einen verstörten Jungen ausmacht. Diese Geburt des Jokers erfahren wir hier nicht nur auf erzählerische Weise, auch visuell setzt Regisseur Todd Phillips eine außerordentliche Initiationsgeschichte in Gang. Aus dem schüchternen Jungen, der wie ein geprügelter Hund durch die Straßen schleicht, wird ein selbstbewusster Clown, der durch die Metropole tanzt wie einst Fred Astaire. Sein Lachen, das anfangs so schmerzerfüllt klang, wird zu einem Lachen der Freude. Alle Demütigungen, die er ertragen musste, kehren sich um in Destruktion und Zynismus. „Filme sind immer ein Spiegel der Gesellschaft“, sagte Todd Phillips in Venedig und tatsächlich können wir uns in seinen Bildern wiedererkennen, erkennen wir die Fratze des Neoliberalismus, die postfaktischen Reden der Politiker und den Aufstand der Massen, den er angelehnt an die Occupy-Bewegung inszeniert. Im Finale laufen alle mit einer Clownsmaske rum und keiner ist mehr in der Lage, die vielzähligen Verbrechen irgendeinem Täter zuzuordnen.

Mo. 09.12.2019 / 20:00

HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT

Die Geschichte einer Familie über vier Generationen.

© Stefan Neuberger

Ein Nachdenken über die Zeit und die Liebe in ihr, den Menschen, in Tönen, Bildern und Sprache. Was bleibt? Biografien hinterlassen Spuren. Die Zeitläufe auch. Der Film folgt den biografischen Spuren einer zerrissenen Familie über das ausgehende 19. und das folgende 20. Jahrhundert hinweg. Die Großmutter ist Jüdin, der Großvater Kommunist, beide wurden in der Nazizeit verfolgt. Der Vater Wolfgang Heise war ein Philosophieprofessor in der DDR, der mit dem Nationalpreis geehrt wurde. Es geht um Menschen, die einst zufällig zueinander fanden, dann einander verloren und deren verbliebene Kinder und Enkel jetzt verschwinden. Es geht um Sprechen und Schweigen. Erste Liebe und verschwundenes Glück. Väter, Mütter, Söhne, Brüder, Affären, Verletzung und Glück in wechselnden Landschaften, die verschiedene, einander durchwuchernde Spuren von Zeiten in sich tragen. Es geht um das Verhältnis vom normalen Leben und der Geschichte. Individuum und Geschichte, wie gehen die miteinander um? Oder was löst das eine für das andere aus. Eine spannende Collage aus Bildern, Tönen, Briefen, Tagebüchern, Notizen, Geräuschen, Stimmen, Fragmenten. Immer bleibt ein Rest, der nicht aufgeht.

Di. 10.12.2019 / 20:00

STAN & OLLIE English Cinema OmU

Noch einmal mit Gefühl: Ein wunderbares Biopic über die späten Jahre von Stan Laurel und Oliver Hardy.

© 2019 SquareOne Entertainment capelight pictures

Der Film ist auf mehreren Ebenen großes Schauspielkino. Vom ersten Augenblick an begeistern Steve Coogan und John C. Reilly mit ihrer präzisen und hingebungsvollen Darstellung. Beide profitieren von maskenbildnerischen Meisterleistungen (Stans abstehende Ohren und Ollies Doppelkinn!) und beherrschen die physischen Tricks und Rituale der Vorbilder absolut perfekt. Noch wichtiger als die äußerliche Anverwandlung aber ist die Chemie der beiden. Mit großer Nonchalance entwerfen Coogan und Reilly die manchmal diffizile, manchmal heikle, aber immer zutiefst vertraute Beziehung von Laurel und Hardy, ein Verhältnis, das zwischen Kollegialität, Sachlichkeit und Freundschaft oszilliert. Nicht nur deshalb ist die Atmosphäre des schönen Films auch zutiefst melancholisch. Es geht ums Altern, um den Verlust von Relevanz und Prominenz, um die leise Verzweiflung, die den Schauspieler packt, wenn er nicht mehr schauspielern darf. DER SPIEGEL nannte den Film ein „wunderbares Biopic, das sehr oft Form und Inhalt zur Deckung bringt. Die beiden Hauptdarsteller spielen das Komikerduo derart intensiv, dass sich ihre Leistung in das Gegenteil von Großschauspielerei verkehrt: Sie zeigen nicht ihre eigen Kunst, sondern die von Laurel und Hardy.“ Sagen wir doch einfach mal: ein toller Film für die ganze Familie.

Mo. 16.12.2019 / 20:00

DANCING BEETHOVEN

Ein Filmbeitrag zum Hauskonzertprojekt “Beethoven bei uns“.

© 2017 LATIDO FILMS™

Die utopische Idee hinter Beethovens Neunter Sinfonie tritt besonders deutlich hervor, wenn ab dem vierten Satz ein Chor Schillers Gedicht „An die Freude“ anstimmt: „Freude, schöner Götterfunken… Seid umschlungen Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt!“ Der französische Tänzer und Choreograph Maurice Bejart (1927-2007) adaptierte Beethovens wohl berühmteste Sinfonie als aufwendige Ballettfassung, die 2014 in Tokio aufgeführt wurde. Als Leitmotiv umtanzen die Akteure aus Asien, Europa und Afrika einen großen Kreis auf der Bühne, der den Kreislauf des Lebens symbolisiert. Passend zur Botschaft kollaborierten Künstlern aus allen Teilen der Welt die Tänzer kommen vom Béjart-Ballett in Lausanne und vom Ballett aus Tokio. Die Musik stimmt das Israelische Philharmonieorchester unter der Leitung von Zubin Mehta an. Die 9-monatigen Proben in Lausanne, Tokio und am Genfer See begleitete Arantxa Aguirre im Wechsel der Jahreszeiten. Konzentrierte Beobachtungen der Proben und Interviews mit Tänzern, Choreographen und Kulturjournalisten zeichnen „Dancing Beethoven“ als kompetent erzählte dokumentarische Langzeitbeobachtung aus. Ein Weihnachtsgeschenk an die Freunde des FILMFORUMS.